Gedenken an die Kursk-Opfer

12. August 2001, 15:56
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Das russische U-Boot hatte es in der Barentssee zerrissen

Moskau - Russland hat am Sonntag mit Trauerfeiern und Gottesdiensten jener 118 Menschen gedacht, die beim Untergang des Atom- U-Bootes "Kursk" vor einem Jahr ums Leben kamen. In Widjajewo bei Murmansk, dem früheren Stützpunkt des Bootes, sagte Marinebefehlshaber Wladimir Kurojedow den Hinterbliebenen erneut eine Klärung der Unglücksursache zu, die noch immer nicht offiziell festgestellt ist.

"Es ist lebenswichtig, die Umstände zu erfahren, unter denen die "Kursk" unterging", erklärte der Admiral, der selbst wegen der Verschleierung des Unglücks vom 12. August 2000 in der Kritik steht.

Mit Tränen in den Augen legten etwa 200 Verwandte und Freunde der Toten in Widjajewo Kränze nieder. Um 11.32 Uhr (09.32 Uhr MESZ), dem Zeitpunkt des Untergangs, warfen sie Blumen ins Wasser, während die Sirenen der Kriegsschiffe heulten und Halbmast geflaggt wurde. Mehrere Menschen mussten, überwältigt von der Erinnerung und Trauer, ärztlich behandelt werden, berichtete der Fernsehsender NTW.

Experten: Schadhafter Torpedo

Bei dem Unglück in der Barentssee hatten zwei Explosionen den Bug der "Kursk", des damals modernsten U-Bootes der russischen Flotte, zerrissen. Nach Experteneinschätzung löste ein schadhafter Torpedo die Katastrophe aus, die keiner der 118 Seeleute überlebte.

Die russischen Fernsehsender berichteten ausführlich über das militärische Zeremoniell und zeigten die Trauernden, ließen sie aber, anders als vor einem Jahr, nicht vor der Kamera zu Wort kommen. Die Unruhe unter den Hinterbliebenen ist immer noch groß. Einige haben die Marineführung wegen Totschlags verklagt.

Von Präsident Wladimir Putin gab es am Sonntag keine Äußerung zu dem Jahrestag. Im August vergangenen Jahres hatte der damals erst seit drei Monaten amtierende Staatschef sich den Unmut der russischen Öffentlichkeit zugezogen, weil er seinen Urlaub nicht abgebrochen hatte. Später sagte er den Hinterbliebenen die Bergung des Wracks mit den darin eingeschlossenen Toten zu.

An der Unglücksstelle in der Barentssee wurden die Vorbereitungen zur Hebung des 18.000 Tonnen schweren Kolosses am Sonntag nur für eine Schweigeminute unterbrochen. (APA/dpa)

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