Jegorowa sorgt für Diskussionen

12. August 2001, 20:32
1 Posting

Die Russin gewann nach aufgehobener Doping-Sperre den Titel über 5.000 m

Edmonton - Die Russin Olga Jegorowa, deren Sperre aufgehoben worden war, gewann in Edmonton WM-Gold über 5000 Meter, und alle redeten über EPO-Doping. Da schlich die Rumänin Gabriela Szabo durch die Mixed-Zone, sie sah einen an und sagte: "Ich verwende kein EPO, und jetzt siehst du, was passiert ist."

Gabriela Szabo, die schon über 1500 Meter gewonnen hatte, zweifache Weltmeisterin über 5000 Meter war, ist nur Achte geworden. Ihren Spruch könnte man nun so deuten, dass laut Szabo alle sieben vor ihr dank EPO, das für viele rote Blutkörperchen sorgt, so super Dauerläuferinnen sind. Später aber meinte sie: "Die wahre Weltmeisterin ist für mich die Spanierin Marta Dominguez."

Wirkliche Weltmeisterin: die Russin Olga Jegorowa, die vor Dominguez und der Äthiopierin Ayelech Worku gewann. Jene Jegorowa, in deren Urin man beim Meeting in Paris laut dessen Direktor EPO gefunden hatte. Die aber nicht gesperrt wurde, weil dieser Test zwar in anderen Sportarten, etwa beim Radfahren, zulässig ist, den aber der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) noch nicht ratifiziert hat. Bei der WM werden Blut und Urin abgenommen. Jegorowa war in Edmonton schon bei ihrer Ankunft getestet worden, nach ihrem Sieg wurde sie es wieder.

Es war ein interessantes Rennen. Zwei Runden vor Schluss ging Szabo ein. Und auf der Gegengeraden in der letzten Runde zog Jegorowa den Spurt an. Nicht alle, aber viele pfiffen und buhten. Jegorowa verzichtete auf die Ehrenrunde, flüchtete aus dem Stadion bis zu den Kameras und Mikrofonen. "Ich hab' vergessen, warum ich die Ehrenrunde nicht gelaufen bin", kommentierte sie. Dass die Leute buhten, sei ihre Sache. Und: "Hätte ich Zweite werden sollen, um das Publikum zufrieden zu stellen?"

Im Semifinale war die britische Langstreckenläuferin Paula Radcliffe mit einem Transparent aufgetaucht, auf dem zu lesen stand: "EPO-Schwindler raus." Ordner haben ihr das Transparent weggenommen. Jegorowa: "Ich wünsche Radcliffe Gesundheit und Glück. Aber man kann mich doch nicht für etwas anklagen, was ich nicht begangen habe. Ich weiß nicht, warum der Test positiv war, das muss ein Fehler gewesen sein. Ich bin schon so oft im Training kontrolliert worden. Mindestens alle zwei bis drei Monate. Natürlich verurteile auch ich Leute, die EPO nehmen, weil das nicht gut für ihre Gesundheit ist."

Die silberne Dominguez lieferte Jegorowa Schützenhilfe: "Ich finde nicht, dass ich die wahre Siegerin bin. Olga hat gewonnen, so lange nichts anderes bewiesen ist." Drei Sünder wurden bisher ertappt in Edmonton, es ist keine Spitzenkraft dabei, und die 800-Meter-Läuferin Fabiane Santos aus Brasilien war schon im Mai angezapft worden, die positive Nachricht kam halt erst hier heraus. (bez)

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 13.8. 2001)

Share if you care.