Religionskonflikt in Mexiko - kein Wasser für Protestanten

11. August 2001, 22:06
posten

Spende für katholisches Dorffest verweigert

Mexiko - Im Hochland von Mexiko ist ein neuer Religionskonflikt zuwischen der katholischen Mehrheit und der evangelischen Minderheit eines Dorfes ausgebrochen. Wie die Zeitung "Reforma" am Samstag meldete, kappten die Katholiken in Actopan im Bundesstaat Hidalgo (rund 100 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt) ihren evangelischen Nachbarn die Wasserversorgung, weil diese sich nicht an einem Fest zu Ehren des Dorfheiligen beteiligen wollten.

Die Katholiken hatten verlangt, dass jede Familie des Stadtviertels zur Vorbereitung des Patronatsfestes 450 Pesos (750 Schilling/56 Euro) beisteuert. Die der Heiligenverehrung abholden Pfingstler weigerten sich, diesen Betrag, der auf dem Lande fast einem halben Monatslohn entspricht, aufzubringen.

Der Religionskonflikt in Hidalgo, einem noch recht stark indianisch geprägten Staat, schwelt schon seit einigen Monaten. Ähnliche Auseinandersetzungen, wenngleich gewalttätiger, werden auch immer wieder aus dem südöstlichen Staat Chiapas gemeldet. Die Patronatsfeste sind seit der frühen Kolonialzeit Teil der indianischen Tradition, und in der Verehrung der Dorfheiligen mischen sich christliche mit vorspanischen Elementen. Während Mexiko früher formal ein rein katholisches Land war, haben protestantische Kirchen in den vergangenen Jahrzehnten in manchen Landesteilen starken Zulauf erhalten. (APA/dpa)

Share if you care.