Telekom-Chef Sommer kritisiert Deutsche Bank

11. August 2001, 14:33
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Vertrauen der Kleinanleger "massiv erschüttert"

Der Vorstandsvorsitzender der Deutsche Telekom, Ron Sommer, hat die Deutsche Bank wegen des Verkaufs von 44 Millionen T-Aktien und der vorausgegangenen Kaufempfehlung kritisiert und mögliche Konsequenzen angekündigt. Das Vertrauen der Kleinanleger sei durch das Geldinstitut "massiv erschüttert worden", sagte Sommer dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut einem am Samstag im Voraus veröffentlichten und redaktionell bearbeiteten Interview. Die Deutsche Bank müsse nun "alles tun, um dieses Vertrauen zurückzugewinnen".

"Gravierende Arbeitsfehler"

Dem Finanzinstitut warf Sommer "gravierende Arbeitsfehler" vor und verlangte eine genaue Überprüfung der Vorgänge. Sollten Unregelmäßigkeiten aufgetreten sein, müsse die Bank "Konsequenzen daraus ziehen". Die Deutsche Bank gab auf Anfrage zu den Äußerungen Sommers keine Stellungnahme ab.

44 Millionen Aktien verkauft

Die Deutsche Bank hatte am Dienstag im Auftrag eines nicht bekannten Investors 44 Millionen Papiere der Telekom verkauft, deren Kurs seither rund 20 Prozent an Wert verloren hat. Noch am Tag zuvor hatte das Institut eine Kauf-Empfehlung für die Aktie des Bonner Telekommunikationsriesen bekräftigt.

Sommer kündigte eine juristische Überprüfung der Transaktion seitens der Deutschen Telekom an. Immerhin sei bei dem Bonner Telekommunikationskonzern in nur wenigen Tagen ein Wert von fast 40 Milliarden DM (20,5 Mrd. Euro/281 Mrd. S) vernichtet worden. Große Finanzinstitute hätten eine Verantwortung gegenüber den Unternehmen und gegenüber dem Markt. Ist dieses missachtet worden, "hat das sicherlich Auswirkungen auf unsere zukünftige Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank", sagte der Telekom-Chef. Sommer zufolge ist die Deutsche Telekom im Vorfeld der Transaktion von dem Finanzinstitut nicht unterrichtet worden.

"Noch keine konkreten Ergebnisse"

Am Freitag kündigte bereits die Börsenaufsicht im hessischen Wirtschaftsministerium eine Untersuchung des Vorganges an. "Nach dem derzeitigen Stand der Untersuchungen liegen zwar noch keine konkreten Ergebnisse vor, die Untersuchungen dauern jedoch noch an", teilte das Wirtschaftsministerium in Wiesbaden mit. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. Die Deutsche Bank kommentierte die Untersuchung am Freitag nicht und wollte sich am Samstag in der Angelegenheit auch nicht weiter äußern. Das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BaWe) überprüft nach eigenen Angaben zwar den Vorgang im Rahmen der routinemäßigen Marktbeobachtungen, hat aber keine förmliche Untersuchung eingeleitet. Ob es dazu kommen wird, konnte eine Sprecherin auf Anfrage nicht sagen.

Der Aktienkurs der Deutschen Telekom setzte auch zum Wochenschluss seine Talfahrt fortgesetzt. Die Titel verloren zeitweise 7,6 Prozent auf 18,75 Euro und fielen damit auf ihren tiefsten Stand seit gut drei Jahren.(APA/Reuters)

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