VP-Landesrat Hirschmann: Homosexuellen- Ehe kommt "Wie das Amen im Gebet"

11. August 2001, 20:15
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"Gesellschaftliche Prozesse lassen sich nicht durch Staatsschranken aufhalten"

Graz/Wien - Die Ehe für homosexuelle und lesbische Paare werde auch in Österreich kommen "wie das Amen im Gebet", zeigt sich der steirische ÖVP-Landesrat Gerhard Hirschmann überzeugt. Im Radio-Mittagsjournal des ORF am Samstag sagte Hirschmann zu der zuletzt in Deutschland erlaubten gleichgeschlechtlichen Ehe, "selbstverständlich kommt das auch in Österreich. Wir wissen, dass sich gesellschaftliche Prozesse ja nicht durch vermeintliche Staatsschranken aufhalten lassen, sondern das ist früher oder später gemeinsamer europäischer Konsens".

Schon im März hatte der steirische Landtag einen Grundsatzbeschluss für die Gleichbehandlung homosexueller Paare gefasst. Damals hatte die ÖVP die Initiative von SPÖ und Grünen mitgetragen, nur die FPÖ war dagegen. Der Beschluss wurde als Petition an die Regierung weitergeleitet, die Steirer haben dann auch schon selbst erste Schritte zur Gleichbehandlung gesetzt. So bekamen auf Veranlassung von Hirschmann Landesbedienstete, die schwul oder lesbisch sind, frei, wenn ihr Partner krank ist, also eine Art Pflegefreistellung wie bei Ehepartnern.

Schüssel: "Keine große Diskussion"

Hirschmann dazu: "Ich meine, der Staat ist nicht dazu da, Menschen vorzuschreiben, wie und mit wem sie zusammen leben sollen. Aber sehr wohl ist das Staat natürlich da, um für Minderheiten den selben Schutz und die Rechte zu gewährleisten wie für Mehrheiten. Wenn zwei Menschen gerne füreinander sorgen und sich wirklich gern haben, wieso sollen die, weil sie gleichgeschlechtlich sind, schlechter gestellt werden".

Zuletzt hat Vizekanzlerin Riess-Passer (FPÖ) eine rasche Entscheidung um den so genannten Homosexuellenparagraph 209 angekündigt. Es wäre wünschenswert, eine Lösung zu erzielen, bevor ein Entscheid der Höchstgerichte vorliegt, denn wie das Gerichtsurteil ausfallen werde, sei "relativ klar".

Dagegen meinte Schüssel, er sehe in der Volkspartei zu dem Thema keine große Diskussion. Für ihn sei klar, dass der Kinder- und Jugendlichen-Schutz absolut Vorrang habe. Allerdings solle es auch keine Diskriminierung geben. Zuvor hatte Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber (ÖVP) eine Angleichung des Schutzalters für hetero- und homosexuelle Jugendliche befürwortet. (APA)

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