Superkeim durchschaut

10. August 2001, 20:50
posten

Antibiotikaresistenz hat er in seinen Genen

New York - Wie viele Spitalspatienten er auf dem Gewissen hat, ist unbekannt. Aber dass er bereits Hunderte US-Amerikaner und Europäer dahingerafft hat, steht fest. Und ständig werden es mehr. Der Täter ist ein Bakterium mit Namen Staphylococcus aureus.

Gegen den Erreger ist - fast - kein Kraut gewachsen, reihenweise entwickelt er Resistenzen gegen Antibiotika. Nun haben die Forscher die Grundlage für bessere Bekämpfung geschaffen, denn sie kennen jetzt die genetische Ursache für seine Widerstandskraft: das so genannte mecA-Gen. "Von allen Mechanismen für Medikamentenresistenz", sagt Herminia de Lencastre von der Rockefeller-Universität, "ist der Erwerb dieses Gens der allerverheerendste." Denn er macht den Keim weitreichend widerstandsfähig gegen die größte und effizienteste Antibiotikagruppe, zu der auch Penizillin zählt.

Entdeckt wurde das mecA-Gen an Erregerstämmen, die gegen Methicillin resistent waren. Diese Stämme machen fast die Hälfte aller erfassten Krankenhausinfektionen in den USA aus. Methicillinresistente Keime sorgten bereits 1957 in Dänemark für erste Infektionen. Durch die genetische Analyse weiß man, dass ein direkt davon abstammender Bakterienstrang sich rasch in Spanien, Portugal, Belgien, Italien, Schottland, Deutschland, Polen und jetzt eben in New York breit macht. "Nur ganz wenigen gelingt eine so erfolgreiche Verbreitung", berichtet Lencastre (Proceedings of the National Academy of Sciences).
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12. 8. 2001)

Von
Roland Schönbauer

Share if you care.