Rassisten, Wurmlöcher und schwedische Gruseleffekte

10. August 2001, 20:51
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Drei gekonnt geschriebene, strandtaschentaugliche Krimis

M.K. WrenSchlimm genug, dass heutzutage auch schon Frauen in der Exekutive zu finden sind, aber Neely Jones ist noch dazu schwarz - und ausgerechnet sie wurde zum neuen Sheriff von Taft County, Oregon gewählt. Das bringt die weißen männlichen Seilschaften auf die Palme.

Neely hat auch von ihrer eigenen Truppe nur minimale Unterstützung zu erwarten. Sexistische Witze und rassistische Anspielungen verleiden ihr den Büroalltag, nachts zündet eine Truppe vor ihrem Haus ein Klankreuz an. Als Neely vereidigt wird, stirbt Jan, Neelys japanischer Lebensgefährte, eines gewaltsamen Todes. Er wird an seinem Arbeitsplatz, dem Ozeanographischen Institut aufgefunden, die Leiche schwimmt in einem Quallenbecken. Die Wände wurden mit rassistischen Sprüchen verschmiert, also scheint der Fall klar. Nur, dass die Beschimpfungen diesmal in korrekter Orthografie ausgeführt sind, stimmt die vor Trauer und Wut halb betäubte Neely misstrauisch. Die Dumpfbacken vom Ku-Klux-Klan hatten das noch nie zustande gebracht.


Jason Starr

Das Sittenbild aus der Provinz ist düster, Männer in Schwierigkeiten: Der eine, ein krankhafter Spieler, verwettet sein Gehalt und wird obendrein noch gefeuert, der andere fängt leichtfertig ein Techtelmechtel mit einer Bürokollegin an und wird von dieser erpresst. Beides keine gute Basis für ein glückliches Familienleben. Starr zeigt mit teuflischer Konsequenz, wie sich die beiden miesen Helden in immer größere Zores verwickeln.

Der blanke Zocker wird von zwei Geldeintreibern zusammengeschlagen, der Bürohengst gerät derart in Panik, dass er die einstmals so begehrenswerte Erpresserin mit ihrer Bratpfanne erschlägt. Weil es keinen Weg mehr gibt, um die Spielschulden zurückzahlen zu können, verfällt Joey auf die geniale Idee, die Tochter eines bekannten Ehepaares zu entführen. Und dieser Bekannte ist zufällig David, der Schürzenjäger und Mörder. Wer wird auffliegen, und wer kommt davon? Starr ist teuflisch boshaft und lässt seine Figuren mit faszinierender Ausweglosigkeit in ihrer ganz privaten Hölle landen. Exzellent!


Willy Josefsson

Schon wieder ein Schwede, der respektable Krimis schreibt und dabei recht unverhohlen auf Missstände in seiner Heimat verweist. Josefsson beginnt mit einem wahren Gruseleffekt. Bei der Beerdigung eines Polizisten fällt der Sarg um, und die entsetzten Trauergäste registrieren, dass in dem Sarg gleich zwei Leichen liegen. Ein Exkollege des Toten, längst in die Pension verabschiedet, befasst sich zunächst nur äußerst widerwillig mit dem mysteriösen Fall. Er stößt auf merkwürdige Pastoren, theatralisch inszenierte Satanskulte, paranoide Börsenhaie und noch mehr Leichen. Josefssons alternder Ermittler ist ein ungeselliger Antiheld ohne Illusionen.

Und natürlich fällt er gerade dann, wenn er sich auf Emotionen einlässt, grausam auf die Nase. Josefsson übt harsche Kritik an der Flüchtlingspolitik Schwedens, die einzelne Personen vor nicht zu lösende Gewissenskonflikte stellt, an reaktionären Tendenzen innerhalb der Geistlichkeit, an bedenkenlosen Börsenspekulanten und an Tendenzen des Staates, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Insofern ist er in seiner grundsätzlichen staatsbürgerlichen Verdrossenheit dem berühmten Kollegen Mankell ähnlich.

(DER STANDARD, Print-Ausgabe, Album 11/12. 8. 2001)

Von Ingeborg Sperl

M.K. Wren, Medusa Pool. öS 123,-/EURO8,94/ 288 Seiten, Unionsverlag, 2001.

Jason Starr, Die letzte Wette. öS 291,-/ EURO21,15/292 Seiten. Diogenes, 2001

Willy Josefsson, Das Zeichen des Mörders, öS 119,-/EURO8,64/320 Seiten. rororo, 2001

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