Japans Tech-Riesen wanken

10. August 2001, 19:09
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Schock für Tokioter Börse - Regierung streicht Staatsausgaben

Yokohama - Über Japans exportorientierter Elektronikindustrie, einer der einzigen noch funktionierende Motoren der kriselnden Wirtschaft, ziehen dunkle Wolken auf. Die weltbekannten Elektronikgiganten Sony, Fujitsu und NEC erlitten im vergangenen Quartal massive Ertragseinbrüche und schraubten ihre Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr zurück.

Sony fiel um 11,5 Prozent

Die Tokioter Börse reagierte mit einem Schock auf die Zahlen. Beispielsweise fiel die Sony-Aktie nach einem Einbruch des Betriebsgewinnes im abgelaufenen Quartal um 90 Prozent um 11,5 Prozent auf ein Zwei-Jahrestief.

Bis Ende des Jahres erwartet die Sony-Leitung keine Erholung, da der japanische Binnenmarkt voraussichtlich schrumpfen werde und die konjunkturelle Abkühlung in den anderen beiden Hauptmärkten, den USA und Europa, weiter bestehen bleibe.

Für das Gesamtjahr erwartet Sony einen Gewinneinbruch um 40 Prozent auf 90 Milliarden Yen, nach zuvor noch prognostizierten 150 Milliarden Yen. Noch schlechter stehen die Aussichten für das Elektronikkonglomerat Fujitsu, das am Freitag einen Verlust von 220 Milliarden Yen für das Jahr 2001 voraussagte. Fujitsu will demnächst ein Restrukturierungsprogramm vorstellen, das unter anderem einen umfangreichen Stellenabbau vorsehe.

NEC meldet Gewinneinbruch trotz Umsatzplus

NEC, Japans größter Chiphersteller, meldete für das erste Quartal einen Gewinneinbruch um rund 60 Prozent auf 800 Millionen Yen (7,3 Mio. EURO) obwohl der Umsatz um knapp ein Prozent auf 1,12 Billionen Yen angestiegen war.

Für die neue japanische Regierung sind das klare Zeichen an der Wand, dass die Lage der japanischen Wirtschaft dramatisch ist. Die Gewinneinbrüche schlagen nicht nur negativ auf die Börse durch, sondern führen auch zu massiv gekürzten Investitionen der Konzerne, was für die Konjunktur, einen zusätzlichen Dämpfer bedeutet.

Koizumi stellt Weichen für Reformpolitik

Der neue Regierungschef Junichiro Koizumi hat unterdessen die Weichen für seine Reformpolitik gestellt. Erstmals seit vier Jahren werden die staatlichen Ausgaben gekürzt, und zwar so stark wie noch nie.

Die am Freitag von den Koalitionsparteien verkündeten Richtlinien für den Staatshaushalt im kommenden Fiskaljahr, das am 1. April 2002 beginnt, sehen Einsparungen bei den allgemeinen Ausgaben von 900 Milliarden Yen (8,24 Mrd. Euro/113,5 Mrd. S) auf 47,8 Billionen Yen vor. Für das laufende Fiskaljahr hatte die Vorgängerregierung noch Ausgaben in Rekordhöhe von 48,7 Billionen Yen veranschlagt. (STANDARD-Korrespondent André Kunz aus Yokohama, DER STANDARD, Printausgabe, 11./12. August 2001)

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