Beschwerden ja, aber bitte richtig

10. August 2001, 18:51
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Klare Infos zur Preiskontrolle

Wien - Der hungrigen Wanderin verschlägt's den Appetit: Das Schnitzel war vor zwei Wochen noch für 80 Schilling zu haben. Jetzt kostet es 89,44 Schilling. Kann ja kein Zufall sein, dass dies einen "runden" Euro-Preis von 6,50 ergibt?

Beschwerdestellen

Die Konsumentin braucht ihre Wut nicht hinunterschlucken. Es gibt viele Stellen, wo sie sich darüber beschwerden kann, dass hier offensichtlich zuerst Preise erhöht wurden, nur damit sich's später leichter auf den Euro umrechnen lässt. Am besten wendet sie sich an die Preisbehörde des jeweiligen Bundeslandes. In Wien ist es das Marktamt. Dieses Amt geht den Beschwerden nach und kann ein Verfahren einleiten.

Viele Stellen, nur eine Behörde

Verbraucher können sich auch an die Arbeiter- oder Wirtschaftskammer ihres Bundeslandes wenden, die zwar eine erste Prüfung vornehmen, strittige Fälle aber erst recht wieder an die Preisbehörde weiterleiten. "Wir rufen die Firmen an und versuchen, die Sache zu klären. Sagen die: ,Rutscht uns den Buckel runter', schalten wir die Preisbehörde ein", erzählt Karl Kollmann von der Arbeiterkammer.

Gnaue Beschreibung wichtig

Auch der Hotline der Regierung (0800/ 22 11 11) oder den Konsumentenschützern im Justizministerium (01/713 17 30-41 21) bleibt nichts anders übrig, als eintreffende Beschwerden an die Preishüter weiterzureichen. Selbst die zwölfköpfige Euro-Preiskommission im Wirtschaftsministerium kann operativ nicht eigenständig kontrollieren. "Wir sind nicht diejenigen, die herumrennen", sagt ein Kommissionmitglied. Aber Achtung: Beschwerden haben nur dann eine Chance, wenn die empörten Anrufer genau definieren können, in welchem Geschäft zu welchem Preis sie bestimmte Produkte vorgefunden haben. Globale Erregungen wie "Bei der Handelskette XY kosten Glühlampen zwei Schilling mehr" fruchten nichts.

Schuhhandel und Gastronomie

Noch gibt's kein einziges behördliches Verfahren in der Causa, nur Beschwerden. Diese konzentrierten sich ursprünglich auf unkorrekte Umrechnungen bei internationalen Hotelketten und Sachertorten. Jetzt häufen sie sich bei kleineren Gastbetrieben. "Aber die meisten rechnen eh sehr brav um", lobt Kollmann. Auch über Schuhgeschäfte regen sich immer mehr Konsumenten auf. Am häufigsten melden sich Menschen, die eher wenig verdienen, weiß Robert Karl vom Justizministerium zu berichten.

Tankstellen dürfen sich mit der Euro-Umstellung bis Ende Feber 2002 Zeit lassen und Firmen wie Spar alle Eurobeträge ab der dritten Kommastelle nach unten runden. So will es die ab heute geltende Verordnung des Wirtschaftsministerium. (Lydia Ninz, DER STANDARD, Printausgabe, 11./12. August 2001)

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