202.000 Arbeitslose befürchtet

10. August 2001, 18:39
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AMS-Buchinger: "An einer weiteren Öffnung des Arbeitsmarkts führt kein Weg vorbei"

Wien - Abhängig von der schwächelnden Konjunktur in Österreich könnte die durchschnittliche Zahl an Arbeitslosen heuer wieder die Schallmauer von 200.000 überschreiten, befürchtet Herbert Buchinger, Vorstandschef des Arbeitsmarktservices (AMS) in einem Worst-Case-Szenario.

Abhängig vom Verlauf der Wintersaison im Tourismus und in der Bauwirtschaft würde die Jahres-Arbeitslosenquote heuer zwischen 5,8 und 6,0 Prozent liegen. Diese Bandbreite bedeutet in absoluten Zahlen 194.000 bis 202.000 Arbeitslose. Im Vorjahr war die Zahl erstmals seit 1992 mit 194.314 Jobsuchenden unter die 200.000er-Marke gerutscht.

Spielraum für Bedarfsspitzen gefordert

Buchinger und sein Vorstandskollege Herbert Böhm unterstützen daher eine "vorsichtige Zurücknahme" der Zuwanderung, wie das die Regierung am Montag beschließen wird. Allerdings sollte es künftig im System der globalen Zuwanderungsquote über alle Branchen und Bundesländer Spielraum auch für kurzfristige und lokal beschränkte Bedarfsspitzen von einzelnen Unternehmen geben. Das AMS folgt in dieser Forderung den Überlegungen von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl.

Zuwanderungsanträge blockweise entscheiden

Zudem sei es sinnvoll, dass die Zuwanderanträge nicht mehr einzelfallbezogen, sondern etwa ein halbes Jahr gesammelt und dann nach dem jeweiligen Bedarf einer Branche oder Region quasi blockweise entschieden würden. AMS-Chef Buchinger nannte in diesem Zusammenhang die Vorgangsweise der US-amerikanischen, australischen und demnächst deutschen Einwanderungsbehörden als vorbildlich.

Zuwandererfordernis mittelfristig gegeben

Mittelfristig stelle sich das Zuwandererfordernis jedoch völlig anders als heute dar. Durch die demographische Entwicklung (weniger Junge, mehr Alte) sei zwischen 2004 und 2010 von einem Rückgang des Arbeitskräftepotenzials um 300.000 Personen auszugehen. An einer weiteren Öffnung des Arbeitsmarktes führe dann kein Weg vorbei, so Buchinger.

Geringere Arbeitslosigkeit im ersten Halbjahr

Im ersten Halbjahr ging die Arbeitslosigkeit aufgrund der positiven Entwicklung der ersten vier Monaten um 3,3 Prozent oder 7000 Arbeitslose zurück. Stolz ist das AMS auf die niedrigen Werte bei den Langzeitarbeitslosen, die auf 2,8 Prozent gesunken sind. 1996 lag der Wert noch bei neun Prozent. Allerdings waren im ersten Halbjahr durchschnittlich 32.000 Personen in AMS-Schulungsmaßnahmen, ein Anstieg gegenüber dem ersten Halbjahr 2000 um 2800 oder 9,5 Prozent. Diese Arbeitslosen werden nicht in der Arbeitslosenstatistik geführt. (miba, DER STANDARD, Printausgabe, 11./12. August 2001)

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