Blechlawine nach Osterweiterung

13. August 2001, 07:41
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Wirtschaftsforschungs- institut erwartet bis 2015 eine Versechsfachung des Transportvolumens

Wien - Die EU-Osterweiterung wird den österreichischen Straßen eine Güter-Verkehrslawine bescheren und damit die Probleme speziell im Raum Wien und auf der Westautobahn verschärfen.

Das Volumen der auf Österreichs Straßen transportierten Güter aus den Beitrittswerberländern Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien dürfte in dem Zeitraum von 1994 bis 2015 von 5,7 Mio. Tonnen auf 34,8 Mio. Tonnen steigen. Das wäre mehr als eine Versechsfachung des Transportvolumens, geht aus einer neuen Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) hervor. Während beim Straßen-Gütertransit dieser Länder durch Österreich "nur" ein Anstieg auf 13,1 (1994: 2,7) Mio. Tonnen zu erwarten ist, geht das Wifo beim bilateralen Güteraustausch dieser Länder mit Österreich von einem massiven Zuwachs auf 21,7 (3,0) Mio. Tonnen aus.

2015 werden 53 % der Güter über Straßen

Wurden 1994 erst 23 Prozent des Gütervolumens dieser Länder in Österreich über Straßen transportiert, dürften es 2015 bereits 53 Prozent sein. Die Straßenanteile des Gütertransports der EU-Beitrittswerber durch Österreich werden bis zum Jahr 2015 so hoch sein wie bereits jetzt im Landverkehr innerhalb der EU, schätzt das Wifo.

Im Straßen-Transit soll der Anteil auf 52 (32) Prozent klettern, für die Ein- und Ausfuhr von Gütern aus und in die Kandidatenländer mittels Lkw dürften es 54 (18) Prozent werden.

Bahnanteil wird in Summe sogar noch sinken

Anders als auf der Straße werden die Gütertransporte der Beitrittswerber in Österreich auf der Schiene viel schwächer zulegen. Hier geht das Wifo von einem Anstieg um nur 68 Prozent auf 26,1 (15,6) Mio. Tonnen aus, wobei das Plus beim Transit mit 136 Prozent auf 8,7 (3,7) Mio. Tonnen etwas stärker ausfallen dürfte; für die Ein- und Ausfuhr auf der Schiene wird nur ein Anstieg um 46 Prozent auf 17,4 (11,9) Mio. Tonnen erwartet. Insgesamt dürfte der Bahn-Anteil zwischen 1994 und 2015 auf 40 (63) Prozent sinken, besonders stark - von 73 auf 43 Prozent - bei der Ein-und Ausfuhr, von 44 auf 35 Prozent im Transit.

Grund für die künftig stärkere Verlagerung der Gütertransporte von der Bahn auf die Straße ist, dass die Entwicklung des Straßengüterverkehrs an Österreichs Ostgrenze durch Kontingente gebremst wurde. Mit dem EU-Beitritt der zentral- und osteuropäischen Länder fallen die Kontingente aber weg.

Staufalle Wien

Das Wifo geht davon aus, dass die Integration der Kandidatenländer bestehende Probleme, insbesondere im Raum Wien und auf Abschnitten der Westautobahn, verschärfen wird. Ohne entsprechende Regulierung, etwa gezielt eingesetzte elektronische Bemautung, würden die Staukosten explodieren. Mit einem verbesserten Transportangebot von Bahn und Donauschifffahrt könnte verhindert werden, dass abnehmende Transportqualität und steigende Kosten im Straßengüterverkehr den Integrationsprozess der Beitrittsländer beeinträchtigen.

"Ohne einen Transitvertrag-Ost und die schnelle Einführung der Lkw-Maut wird Österreich vom Schwerverkehr überrollt werden", warnt die Arbeiterkammer. Daher müsse in Österreich schnellstens die Lkw-Maut eingeführt und auf mindestens vier Schilling (0,29 EURO) pro Kilometer erhöht werden. (APA, stro, DER STANDARD, Printausgabe, 11./12. August 2001)

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