Kritik an MKS-Untersuchung

10. August 2001, 17:49
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Großbritannien am Prüfstand

London/Wien - Das Krisenmanagement der britischen Regierung im Zusammenhang mit der weiterhin grassierenden Maul- und Klauenseuche (MKS) wird überprüft. Es handelt sich dabei jedoch nicht um die von den betroffenen Wirtschaftszweigen geforderte öffentliche Untersuchung, sondern um eine Evaluierung unter Ausschluss der Öffentlichkeit, verkündete Umweltministerin Margaret Beckett am Donnerstag.

Eine Kommission soll innerhalb eines Jahres Berichte über die Vorgangsweise und/oder Fehler der Regierung in der Handhabung der Krise sowie die Zukunft der britischen Landwirtschaft verfassen. Bisher hat die Maul- und Klauenseuche Großbritannien rund 2,5 Milliarden Pfund (rund 55 Milliarden Schilling oder 3,9 Milliarden Euro) gekostet.

Die Oppositionsparteien sind empört über die "Geheimuntersuchung" und werfen dem Landwirtschaftsministerium vor, sein "Chaosmanagement" beim Ausbruch der Seuche sowie einen internen Streit über die rechtzeitige Verabreichung von Impfungen vertuschen zu wollen. Kritisiert wird auch die Rolle von Kommissionsmitglied Donald Curry, der während der BSE-Krise Vorsitzender des Verbandes britischer Fleischproduzenten war und in den Untersuchungen zum Rinderwahn BSE die Interessen der Industrie vertrat. Die konservativen Regierungen Margaret Thatchers und John Majors sprachen mehrere Entwarnungen bezüglich BSE aus - die sich später als katastrophale Fehleinschätzungen erwiesen.

Die EU ermittelt außerdem bereits wegen Verdachts auf Bereicherung britischer Farmer, die für ihr MKS-verseuchtes Vieh überhöhte Entschädigungen gefordert haben sollen (DER STANDARD berichtete). (Eva Stanzl. DER STANDARD Print-Ausgabe 11/12.August 2001)

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