"Nur tot gespielt - Bin fit wie ein Sportler"

11. August 2001, 20:26
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Der kubanische Dauerrevolutionär Fidel Castro feiert seinen 75. Geburtstag voraussichtlich in Venezuela

Havanna/Wien - Die Reaktion macht dem eigenwilligen Revolutionär alle Ehre. "Ich bin fit wie ein Sportler", ließ Fidel Castro die Kubaner wissen. Nur einen Tag zuvor - am 23.Juni - hatte der Staats- und Parteichef inmitten seiner Rede in voller Sonne einen Schwächeanfall erlitten. "Ich habe nur tot gespielt, um zu sehen, was für eine Beerdigung ich bekomme", scherzte er und bedauerte seine Gegner, denen er die Siegesfeier vermasselt habe. Kommenden Montag feiert Castro seinen 75. Geburtstag.

Trotz seines fortgeschritten Alters ist der máximo líder mehr denn je für Überraschungen gut. Auf seine höchstpersönliche Einladung eröffnet der römisch-katholische Konvent der Birgitten eine Dependance auf der Insel. Es ist die erste kontemplative Ordensniederlassung seit der Revolution 1959. Der alternde Revolutionär und ehemalige Jesuitenschüler erinnert sich seiner katholischen Kindheit. Beim Besuch des Papstes auf der Zuckerinsel hat er sogar seine Revolutionärsuniform gegen einen dunklen Anzug getauscht.

Castro über G-8: "Sieben Dicke und ein Doofer

Castros Schlagfertigkeit ist ungebrochen. Nach den Krawallen in Genua schlug er den Staats- und Regierungschefs der G-8 vor, sich auf einer Raumstation im All zu treffen. Dort seien sie sicher. Selbst der ehemalige, langjährige Verbündete Russland kommt bei Castro inzwischen schlecht weg. "In der Gruppe der sieben reichsten Industriestaaten und Russlands gibt es sieben Dicke und einen Doofen."

Seit 42 Jahren steht Castro an der Spitze des Staates. Zehn US-Präsidenten hat er überlebt. Noch immer beeindruckt er Landsleute und Staatsgäste mit stundenlangen Reden. Er scherzt, verhöhnt und verurteilt. Er rattert Statistiken herunter, die den Erfolg der Revolution belegen sollen, und schließt sie mit den Worten: "Sozialismus oder Tod. Heimat oder Tod. Wir werden siegen!"

Wer nach ihm regieren soll, hat Fidel bereits bestimmt: sein fünf Jahre jüngerer Bruder Raul. Längerfristig erscheint es als wahrscheinlich, dass die Macht auf mehrere Politiker aus dem von Castro gehegten Nachwuchs aufgeteilt wird. Der 36-jährige Außenminister Felipe Perez Roque war der Erste, der zum Podium eilte, als Castro bei seinem Schwächeanfall stürzte. Ein Bild mit Symbolgehalt.

Castro feiert Geburtstag voraussichtlich in Venezuela

Castro ist am Samstag zu einem Besuch in Venezuela eingetroffen. Offizieller Anlass ist eine Auszeichnung, die er vom venezolanischen Bundesstaat Bolivar erhalten wird. Seinen 75. Geburtstag an diesem Montag wird Castro voraussichtlich in dem südamerikanischen Land feiern.

Seit dem Amtsantritt des linkspopulistischen venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez Anfang 1999 haben sich die Kontakte zwischen den Regierungen in Caracas und Havanna vervielfacht. Chavez ist ein offener Bewunderer der kubanischen Revolution. Die Opposition in seinem Lande fürchtet, dass er Venezuela in eine Diktatur verwandeln könnte (red/DER STANDARD, Print, 11.8.2001)

Josef Ertl
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