Zusammenstöße nach Besetzung von Orienthaus in Jerusalem

10. August 2001, 21:37
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Washington verurteilt Vergeltungsmaßnahmen

Jerusalem - Israel hat am Freitag als Vergeltung für den blutigen Selbstmordanschlag in Jerusalem das berühmte Orienthaus im arabischen Ostteil der Stadt besetzt und damit scharfe Proteste der Palästinenser sowie Warnungen vor einer weiteren Eskalation ausgelöst. Bei Protesten palästinensischer und israelischer Demonstranten gegen die Aktion kam es am Nachmittag in Jerusalem zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei. Sechs Demonstranten wurden festgenommen und die Umgebung des Orient-Hauses zum militärischen Sperrgebiet erklärt.

Zahlreiche Polizisten hatten in den frühen Morgenstunden den inoffiziellen Sitz der PLO in Ost-Jerusalem gestürmt, das als Symbol des palästinensischen Strebens nach einem eigenen Staat mit Hauptstadt in Jerusalem gilt, sieben Wachleute festgenommen und die israelische Flagge auf dem Dach des Gebäudes gehisst.

Washington verurteilt Besetzung

"Die USA haben am Freitag die Vergeltungsmaßnahmen Israels für den palästinensischen Selbstmordanschlag in einer Pizzeria in Jerusalem verurteilt. Die Schließung des Orienthauses im Ostteil der Stadt, das der PLO als Sitz dient, bezeichnete ein nicht genannter Sprecher des US-Außenamtes als "eine politische Eskalation" der Gewalt in Nahost. Das Orient-Haus habe lange die Bedeutung des politischen Dialogs und der Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern symbolisiert. Beide Parteien sollten diesen Zielen weiter verpflichtet sein.

Der Sprecher kritisierte zugleich die Luftangriffe Israels auf palästinensische Ziele wie das Hauptquartier der Palästinenserpolizei in Ramallah sowie die Besetzung der palästinensischen Büros in Abu Dis. Er rief die Konfliktparteien zur Zurückhaltung auf. Bei dem Selbstmordanschlag der radikal-islamischen Hamas waren am Donnerstag in Jerusalem 16 Menschen getötet worden.

Ausschreitungen ausgeblieben

Befürchtete Ausschreitungen nach den traditionellen Freitagsgebeten blieben jedoch am Freitag aus. An den Gebeten auf dem Tempelberg (arabisch Haram al Sharif) in Jerusalem durften nur Männer über 40 mit israelischer Identitätskarte teilnehmen. 8500 Gläubige nahmen an dem Zeremonien teil und gingen danach friedlich nach Hause. (APA/dpa)

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