Kärnten: Primarärzte sollen leistungsbezogen bezahlt werden

10. August 2001, 15:37
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Neues Gehaltssystem in Ausarbeitung - Positive Reaktionen von Haupt und Waneck

Klagenfurt - In Kärnten soll es für Primarärzte ein neues, leistungsbezogenes Honorierungssystem geben. Aus diesem Grund wurde eine Reformgruppe eingesetzt, die bis Herbst entsprechende Vorschläge unterbreiten soll. Ärztekammer und Gesundheitsministerium stehen dem positiv gegenüber.

Neues Gehaltssystem

Unter dem Vorsitz des freiheitlichen Gesundheitssprechers Martin Strutz erarbeitet eine Reformgruppe, bestehend aus Vertretern von Kärntner Primarärzten, der Krankenanstaltenbetriebsgesellschaft und Rechtsexperten ein neues Gehaltssystem für Primarärzte. Ziel ist es, ein objektives Honorierungssystem zu finden, das sich nicht auf den Pflegetag der Sonderklassepatienten bezieht, sondern leistungsgebunden ist.

Strutz kritisiert, dass fast zwei Drittel des Gehaltes führender Ärzte eine sogenannte "Leistungsprämie" darstellen, welche sich auf den Pflegetag der Klassepatienten und nicht auf Operationen oder Behandlung bezieht. Diese Regelung, die im übrigen einmalig in Österreich sei, habe eine Reihe von negativen Nebeneffekten, die dazu geführt haben, dass Kärnten das teuerste Gesundheitssystem im österreichweiten Vergleich habe und die höchsten Bettendichte sowie Aufenthaltsdauer der Patienten.

Ärztekammer sieht Notwendigkeit

"Bei der notwendigen und angestrebten Bettenreduktion verlieren die leitenden Ärzte einen Großteil ihres Gehaltsbestandteiles", sagte Strutz. Es solle niemandem etwas weggenommen werden.

Die Ärztekammer für Kärnten sieht ebenfalls eine Notwendigkeit, die Arzthonorare für Behandlungen von Sonderklassepatienten neu zu regeln und an die Verhältnisse in anderen Bundesländern anzupassen. Das vor rund 25 Jahren unter dem damaligen Spitalsreferenten Rudolf Gallob (S) eingeführte System habe letztlich dazu geführt, dass trotz enormer Leistungssteigerungen in den Spitälern die Honorare von Primar- und Oberärzten in den öffentlichen Spitälern Kärntens wesentlich unter jenen in anderen Bundesländern liegen. "Daher ist eine Neuregelung dringend notwendig", sagte Präsident Othmar Haas, selbst Oberarzt am LKH Klagenfurt.

Postive Reaktionen von Haupt und Waneck

Äußerst positiv reagierten Gesundheitsminister Herbert Haupt und Staatssekretär Reinhart Waneck (beide F) auf die Bestrebungen der Kärntner Reformgruppe, ein objektives, leistungsbezogenes Honorierungssystem für Primar- und leitende Ärzte zu erarbeiten, welches sich nicht auf die Belegsdauer der Sonderklassebetten bezieht.

In Kärnten kämen derzeit fast zwei Drittel des Gehaltes führender Ärzte durch eine Prämie zustande, welche sich auf die Pflegedauer von Klassepatienten bezieht. Dies würde sich natürlich direkt auf die Bettendichte und die Aufenthaltsdauer der Klassepatienten auswirken und stehe im Widerspruch zum geltenden LKF-System. Haupt und Waneck zitierten in diesem Zusammenhang den Klagenfurter LKH-Direktor Anton Suntinger, der gesagt habe, dass Klassepatienten bei gleicher Erkrankung eine um 30 Prozent längere Spitalsaufenthaltsdauer als Kassepatienten hätten, weil sie mehr Geld in den Verteilungstopf brächten. Doch Kärnten sei kein Einzelfall, heißt es im Gesundheitsministerium. Es gebe auch andere Bundesländer, wie zum Beispiel die Steiermark.

Es gehe aber keinesfalls darum, den Ärzten irgendetwas wegzunehmen, sondern darum, das bestehende System auf eine gerechte Leistungsebene anzuheben und zwar in ganz Österreich. Die Angelegenheit sollte durch eine bundeseinheitliche Regelung bestmöglich gelöst werden und in Form einer Änderung der Honorierung der Primar- und der leitenden Ärzte erfolgen.

Weiters sei es unbedingt notwendig, dass auf das derzeit unbefriedigende Gehaltsschema der nachgeordneten Ärzte, das sich bisher an jenem der Primarärzte orientierte, Rücksicht genommen wird. "Wir sind fest davon überzeugt, dass eine Lösung gelingen kann, wenn eine offene Diskussion unter Einbeziehung aller Beteiligten stattfindet", sagten Haupt und Waneck. (APA)

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