Greenpeace-Test: Deutsche Puten werden mit Antibiotika voll gepumpt

10. August 2001, 15:07
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Auch "Du darfst"-Putenprodukte betroffen

Wien - Wie Greenpeace Deutschland am Freitag in einer Aussendung kritisiert, soll die Firma Heidemark aus Garrel (BRD) Puten massiv mit Antibiotika behandeln und unter miserablen Bedingungen halten.

Der Betrieb, der den Nahrungsmittelkonzern Unilever mit Putenfleisch für Produkte der Marke "Du darfst" beliefert, war schon vergangene Woche ins Kreuzfeuer geraten, als die Umweltschützer einen Stall der Firma in Niedersachsen kritisiert hatten.

Antibiotika

Im konkreten Fall handle es sich um einen Putenstall in Westerstede, in dem noch katastrophalere Zustände herrschen, hieß es in der Aussendung. Tierärztliche Dokumente würden laut Greenpeace belegen, dass Heidemark die Puten-Mäster sogar selbst mit Antibiotika beliefere. Diese Unterlagen sowie Untersuchungen des Tränkewassers würden zeigen, dass die Puten mehrere Wochen lang verschiedene Arzneien bekommen hätten.

"Puten werden mit Antibiotika voll gepumpt, um die widerlichen, unhygienischen Zustände in den Ställen halbwegs ohne Krankheiten zu überstehen. Dafür ist nicht nur die Firma Heidemark, sondern auch ihr Großkunde Unilever verantwortlich", kritisierte Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte bei Greenpeace. Die Aussendung weiter: "Die scheinbar so saubere Marke 'Du darfst' steht für Medikamenten-Einsatz und miserable Tierhaltung."

Greenpeace setze sich für eine naturnahe Landwirtschaft ohne Massentierhaltung, Antibiotika und Gentechnik und für gesunde und sichere Lebensmittel ein, hieß es in dem Artikel. Die Umweltschützer forderten Unilever auf, umgehend auf Fleisch aus Massentierhaltung zu verzichten.

Laut Greenpeace beschäftigt Heidemark eigene Tierärzte, die die Mäster mit Medikamenten versorgen. Die Massentierhaltung führe durch die Überbelegung der Anlagen, schlechte Luft und feuchtes Stroh zu Krankheiten und dem übermäßigen Einsatz von Arzneimitteln. Kurz nachdem der Stall entdeckt wurde, seien alle Puten entfernt und durch Küken ersetzt worden. Doch nicht nur der Bestand an erwachsenen Tieren, auch der Kükenbestand sei zu groß. Wegen des Verdachts auf illegale Produktion wolle Greenpeace Anzeige erstatten, da laut Lieferpapieren rund 30.000 Küken vorhanden sein sollten. Ab 20.000 Tieren sei eine Genehmigung nach dem deutschen Bundesimmissionsschutzgesetz erforderlich, die der Betreiber nicht habe.

Nicht zugelassene Medikamente für Puten

Die Tiere erhielten den Umweltschützern zufolge das Schmerzmittel Acetylsalicylsäure, das auch in Aspirin verwendet wird und für Puten nicht amtlich zugelassen ist. Zusätzlich würden den Tieren in nur zwei Monaten die drei Antibiotika Tetracyclin, Amoxicillin und Colistin verabreicht. Diese Arzneien werden in der Humanmedizin unter anderem gegen Salmonellen, Chlamydien, Streptokokken, Darmerkrankungen und Bronchitis eingesetzt.

Der massive Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung stellt laut Greenpeace für Menschen ein großes Problem dar, da immer mehr Krankheitserreger widerstandsfähig werden. Für Kinder und ältere Menschen könne eine Lungenentzündung oder eine Salmonelleninfektion tödlich verlaufen, wenn Antibiotika nicht mehr wirken. "Antibiotika gehören weder in den Futtertrog der Tiere noch in das Tränkewasser", so Hofstetter. (APA)

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