US-Militärsatelliten nicht auf richtigen Umlaufbahnen

10. August 2001, 15:12
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Astronom macht auf mögliche Abweichungen aufmerksam - Kritik an Bushs Raketenabwehrschild wird lauter

Die Aufklärungssatelliten des amerikanischen Verteidigungsministeriums bewegen sich nicht in den Umlaufbahnen, die das Pentagon offiziell angibt. Zu dieser Ansicht kommt ein Astronom des Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics (CFA) in Cambridge nach der Analyse von Daten des UN-Büros für Weltraumangelegenheiten (OOSA). Wie das Wissenschaftsmagazin "New Scientist" berichtet, könnten die falschen Daten die Bedenken gegen das von George Bush geplante Raketenabwehrschild im Weltall weiter verstärken.

Seit 1970 gibt es "verdächtige Fehler"

Nach einer 1975 verabschiedeten UN-Konvention müssen beteiligte Staaten Objekte wie Satelliten, die ins All befördert werden, bei der OOSA registrieren lassen. Im Falle einer Kollision kann so der Eigentümer ausfindig gemacht werden. Jonathan McDowell vom CFA hat nun Widersprüche in den Daten entdeckt. "Verdächtige Fehler datieren bis 1970 zurück", erklärt der Astronom. So sei beispielsweise der 1989 ins All geschossene Militärsatellit 1989-72A nie bei den UN-Behörden registriert worden. Seit kurzem gebe es immer mehr Unstimmigkeiten: die richtigen Bahnen seien nur für zwei von zehn Satelliten korrekt, die zwischen 1999 und 2000 ins Weltall gelangten. Vom OOSA wurde "New Scientist" zufolge bestätigt, dass die Daten des Pentagon nicht stimmen, die Behörde könne dagegen aber nichts unternehmen. Ein Sprecher der Weltraumkommandos US Space Command, das von Colorado aus rund 9.000 Weltraumobjekte beobachtet, erklärte dazu, die USA befänden sich in völliger Übereinstimmung mit der Konvention. So könne jede Nation selbst entscheiden, was und unter welchen Konditionen die Satelliten registriert würden.

Falsche Angaben gehören zur Taktik

Tatsächlich erlaubt die Konvention lange Verzögerungen bei der Anmeldung und verlangt nicht die Angabe des endgültigen Satellitenorbits. Nach Auskunft des Forschungsleiters Petr Lala vom OOSA wird zumeist nur die ursprüngliche Umlaufbahn registriert. Charles Vick von der Federation of American Scientists glaubt, dass hinter den falschen Angaben eine Taktik steht: Das Pentagon wolle damit die Beobachtung seiner Aufklärungssatelliten erschweren.(pte)

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