Italiens Staatsanwälte erteilten zahlreiche Besuchsgenehmigungen

10. August 2001, 14:39
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Verwandte und Freunde fiebern Überprüfung des Hafttermins entgegen

Rom/Genua - Zahlreiche Familienangehörige und Freunde der seit dem 22. Juli inhaftierten Mitglieder der "VolxTheaterKarawane" reisen an diesem Wochenende nach Genua, wo sie auf die Freilassung nach der Überprüfung des Hafttermins am Montag hoffen. Die Staatsanwälte von Genua erteilten für dieses Wochenende zahlreiche Besuchsgenehmigungen in den Strafanstalten der lombardischen Stadt Voghera, wo sieben österreichische Aktivistinnen inhaftiert sind, und von Alessandria, wo sich die Männer der Theatergruppe befinden.

"Nach fast drei Wochen habe ich endlich meinen Bruder gesehen. Wir haben zirka eine Stunde lang sprechen können. Er ist abgemagert, aber sonst gesund. Er ist mir sehr ruhig erschienen. Ich glaube, er hat Angst vor dem Beschluss am Montag und versucht, sich so ruhig wie möglich zu halten. Bestimmt ist er verunsichert. Er hat nicht viel über die Festnahme erzählt, er ist aber der Unschuld der ganzen Gruppe absolut sicher", betonte Evelyn Bauer, Schwester eines Schauspielers.

"Ich gehe seit der Festnahme durch den Nebel"

Bauer erklärte, sie sei mit dem Vater einer Aktivistin aus Wien angereist, die in Voghera inhaftiert ist. Nach dem ersten Besuch hofft sie auf eine zweite Genehmigung. "Ich würde meinen Bruder gern noch einmal sehen, da ich leider nicht bis zur Überprüfung des Hafttermins in Genua bleiben kann. Ich bin jedenfalls erleichtert, dass ich ihn sehen konnte. Es ist schwierig, das lange Warten auszuhalten. Mir kommt vor, ich gehe seit der Festnahme durch den Nebel. Ich bin hier in Genua, in einer schönen Stadt, und es ist, als würde ich überhaupt nichts sehen", so Bauer.

Dank des politischen Drucks habe sich die Kommunikation zwischen den Familienangehörigen und den Inhaftierten gebessert. "Nachdem ich eine Woche lang praktisch keine Nachrichten hatte, werden wir jetzt deutlich besser benachrichtigt. Alle zwei Tage werden wir vom österreichischen Konsulat in Mailand über die Entwicklungen informiert. Wir haben auch Briefe und Telefonanrufe von unseren Verwandten in Haft erhalten", so Bauer.

Ob der politische Druck der letzten Tage für die Freilassung der Theatergruppe entscheidend sein wird, kann Bauer nicht beurteilen. "Ich weiß nicht, ob dieser Druck für die Entscheidung des Gerichts relevant sein wird. Jedenfalls hat es uns geholfen, regelmäßigen Kontakt zu unseren Familienangehörigen zu halten", so Bauer. (APA)

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