Forstinger ernennt Hermann Knoflacher zum Tunnelsicherheits- Koordinator

10. August 2001, 18:14
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Verkehrsexperte: "Es gibt keine gefährlichen Tunnels"

Wien - Der von Verkehrsministerin Monika Forstinger (F) jetzt ernannte Tunnelsicherheits-Koordinator Univ.-Prof. Hermann Knoflacher ist offensichtlich quasi ein "Tunnel-Feind": "Eine alte Bauingenieur-Regel lautet: Tunnelbauten sind zu vermeiden, wo es nur geht", sagte der Fachmann. "Es ist einfach 'fesch' geworden, Tunnels zu bauen." Die Entscheidung einröhriger oder zweiröhriger Ausbau sei "eine Frage der Wirtschaftlichkeit, nicht der Verkehrssicherheit".

Zweiröhrige Tunnels würden Bequemlichkeits- Gefühl suggerieren

Knoflacher verwies auf Studien u.a. des KfV, wonach einröhrige Tunnels im Hinblick auf die Verkehrssicherheit sogar "etwas besser" als zweiröhrige abschnitten. Die Unfallrate sei - selbst unter Berücksichtigung der Schwere der Unglücke - bei einröhrigen Tunnels um 15 bis 20 Prozent geringer aus bei zweiröhrigen, betonte der Experte. Zweiröhrige Tunnels würden "das Gefühl der Bequemlichkeit des ungehinderten Fahrens" suggerieren.

"Es gibt keine "gefährlichen Tunnels"

"Hier wird Sicherheit mit Bequemlichkeit verwechselt", so Knoflacher. "Es geht vor allem um eine Begrenzung des Tempos und um eine Begrenzung der Verkehrsmenge", so Knoflacher. Begleitende Maßnahmen zur Hebung der Sicherheit seien selbstverständlich sinnvoll. Der neuen Tunnelsicherheits-Koordinator wörtlich: "Es gibt keine 'gefährlichen Tunnels' - es sei denn, es fällt einem ein Trumm auf den Kopf. Die Tunnels in Österreich sind technisch einwandfrei. Die 'Gefährlichkeit' kommt von den Autofahrern".

Knoflacher gegen zweiröhrige Tunnel

Tatsächlich gelingt es nicht, in der APA- Datenbank seit 1988 auch nur einen Bericht zu finden, in dem Knoflacher sich für ein Tunnelprojekt ausspricht. Der Fachmann erklärt:"Das ist richtig." Schon vor 13 Jahren plädierte er - im Rahmen der Diskussionen über ein Verkehrskonzept des damaligen Wirtschaftsministers Robert Graf (V) - u.a. gegen die Öffnung der zweiten Tauernautobahn-Tunnelröhre. Beim Bau einer solchen zweiten Röhre würden anstatt 40.000 Autos pro Tag wahrscheinlich 80.000 den Tunnel passieren", prognostizierte Knoflacher damals.

Für: Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene Auch nach dem Brand im Tauerntunnel im Mai 1999 - etwas mehr als ein Monat vor dem verheerenden Feuerunfall mit zwölf Toten - hatte sich Knoflacher ebenso wie KfV-Direktor Othmar Thann gegen eine "voreilige Entscheidung" für eine zweite Röhre ausgesprochen: "Um das gleiche Geld könnte man um ein Vielfaches mehr für die Sicherheit machen." Knoflacher trat für eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene ein. Die Randbedingungen würden dies aber verhindern. "Die Straße ist zu billig, das Preisgefüge für die Bahn ungünstig. Die Politik hat aber im Moment nicht die Kraft, etwas daran zu ändern", kritisierte der Wissenschafter vor etwas mehr als zwei Jahren.

Risiken in Kauf nehmen

Nach der Brand-Katastrophe im Seilbahn-Tunnel von Kaprun im November 2000 betonte Knoflacher im Jänner bei einer Verkehrsenquete, dass man gewisse Risiken in Kauf nehmen müsse, wenn man Systeme wie Seilbahnen haben wolle. "Das ist eine gesellschaftliche Vereinbarung", so Knoflacher. Brände in Tunnels seien besonders gefährlich, weil oft keine Möglichkeit bestehe, den Flammen zu entkommen. Die Rettung müsse rasch geschehen, denn bis die Feuerwehr komme, "gibt es nix mehr zu retten."

Gegen Semmering-Basistunnel

Eine Auswahl weiterer Tunnels, die nicht den "Sanktus" des Verkehrsexperten erhalten haben: der Plöckentunnel, bei dem Knoflacher als Referent bei Informationsveranstaltungen des Aktionskomittes "Pinzgauer gegen den Plöckentunnel" auftrat; der Kreuzbergltunnel in Klagenfurt und die Tunnelumfahrung Bad Aussee.

Vor allem aber wurde der Semmering-Basistunnel für die Bahn vom grundsätzlichen "Eisenbahn-Verfechter" Knoflacher öffentlich-vehement abgelehnt: Die Ghega-Bahn über den Semmering sei leistungsmäßig keineswegs am Ende. Es sei bezüglich Verkehrsbelastung keine "Gefahr im Verzug" und wichtiger, in viele andere Lücken im Eisenbahnnetz zu investieren, so Knoflacher bereits im Februar 1993.

Verkehrspolitisch überflüssig Ein Studie Knoflachers beweise, so meinte der damalige Landesparteisekretär der NÖ-VP, Ernst Strasser (jetziger Innenminister, Anm.), schließlich im Mai 1996, "dass der Semmering-Eisenbahntunnel ökologisch gefährlich, finanziell verantwortungslos und verkehrspolitisch überflüssig ist". Was zur Replik des niederösterrreichischen SP-Abg. Winfried Seidinger führte, der "notorische Gegner" Knoflacher betreibe mit seiner Ablehnung eines Eisenbahntunnels das Geschäft der Straßenbau-Lobby. (APA)

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