Vorschlag für eine Einwanderungsbehörde

10. August 2001, 13:13
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AMS-Vorstände für "Bereich außerhalb der Quote"

Wien - Die AMS-Vorstände Herbert Buchinger und Herbert Böhm sprechen sich für eine Einwanderungsbehörde nach deutschem oder australischem Vorbild aus. Diese Behörde könne Einwanderungsanträge über eine gewisse Periode sammeln, und dann nach bestimmten Qualifikations-Kriterien entscheiden, meinte Buchinger bei einer Pressekonferenz am Freitag. "Es ist lächerlich zu sagen, wir sollten kein ökonomisches Kalkül an die Einwanderung knüpfen", so Buchinger.

Eine Senkung der Zuwandererquote für unqualifizierte Arbeitskräfte würde Buchinger angesichts der Entwicklung am Arbeitsmarkt begrüßen. Im Jahresschnitt erwartet er eine Arbeitslosenquote zwischen 5,8 und sechs Prozent nach nationaler Berechnung. "In einem Worst Case Szenario könnte die Jahresarbeitslosigkeit bei 202.000 liegen", meinte Buchinger. Im ersten Halbjahr gab es demnach einen Rückgang der Arbeitslosigkeit um 7.100 auf durchschnittlich 207.700 pro Monat. Allerdings seien dafür vor allem die ersten vier Monate verantwortlich, so Buchinger. Seither ist die Arbeitslosigkeit wieder gestiegen.

Bereich außerhalb der Quote

Begrüßt wird seitens der AMS-Vorstände auch der Vorschlag des Wirtschaftskammer-Präsidenten Christoph Leitl (V), parallel zur von der Regierung angekündigten Senkung der Zuwandererquote "flankierende Instrumente" zu schaffen, mit denen Betriebs-spezifischer Fachkräftemangel behoben werden soll. "Die Überlegungen sind da, dass es so etwas wie einen Bereich außerhalb der Quote gibt", meinte Böhm. Es dürfe schließlich nicht dazu kommen, "dass die Maschine ins Ausland wandert" und Arbeitsplätze verloren gehen. Allerdings betonte Buchinger, dass es auch dafür bestimmte regionale Obergrenzen geben müsse.

Jedenfalls müsse man den Arbeitskräfte-Bedarf an konkreten Projekten und Zeiträumen in den Betrieben "dingfest machen". Als Beispiel nannte Buchinger den Fachkräftemangel im Tourismus, der durch eine höhere Quote für Arbeitskräfte mit touristischen Qualifikationen nicht zu beheben sei. Diese würden nach Ansicht des AMS-Vorstands wegen der unattraktiven Arbeitsbedingungen im Fremdenverkehr nämlich eher in anderen Branchen und nicht im Tourismus arbeiten.

Höhere Frauenerwerbsquote

Ab 2004 befürchtet Buchinger durch die demographische Entwicklung (Stichwort: Überalterung) eine dramatische Verschärfung des Arbeitskräftemangels. Von 2004 bis 2010 werde die Zahl der Personen im erwerbstätigen Alter (15 bis 65) um 400.000, das "Arbeitskräftepotenzial" um 300.000 Personen abnehmen. Als Gegenmaßnahmen nannte Buchinger einen späteren Pensionsantritt und eine höhere Frauenerwerbsquote. (APA)

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