"Die Reise nach Kafiristan" beim Filmfestival von Locarno

10. August 2001, 14:28
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Über die Reise der Schweizer Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach nach Afghanistan 1939/40

Der Film "Die Reise nach Kafiristan" der Brüder Dubini (Darstellerinnen: Jeanette Hain, Nina Petri) über die Flucht der Schriftstellerin Annemarie Schwarzenbach und der Ethnologin Ella Maillart wurde beim 54. Filmfestival in Locarno uraufgeführt.

1939 begaben sich die beiden Frauen auf die ungewöhnliche Reise ins afghanische Hochgebirge Kafiristan, dem sogenannten "Land der Ungläubigen".

Ella Maillart, eine berühmte Reisejournalistin, hegte schon lange das Projekt, in dieses abgelegene Tal Afghanistans zu reisen, um die Sitten eines Nomadenstamms zu untersuchen. Angekommen sind die zwei Frauen dort jedoch nie - wegen des Krieges mussten sie in Kabul umkehren. Auch für die Filmemacher war übrigens dort Stopp.

"Alle Wege sind offen"

Annemarie Schwarzenbach versuchte auf dieser Reise, dem familiären Kerker zu entfliehen und schrieb auch während dieser Reise. In dem Band "Alle Wege sind offen" können die LeserInnen an dieser abenteuerlichen Reise vom Balkan über die Türkei, den Iran nach Afghanistan und zurück in die Schweiz teilnehmen.

Annemarie Schwarzenbach wurde 1908 als Tochter aus reichem Züricher Hause geboren, sie studierte Geschichte in Zürich und Paris. Ab 1930 war sie eng befreundet mit Erika und Klaus Mann, war Reporterin und fragile Exzentrikerin.

1931 bis 1933 lebte sie zeitweise in Berlin. 1935 führte sie eine kurze, unglückliche Ehe mit dem französischen Diplomaten Claude Clarac in Persien. Sie schuf viele (Foto-)Reportagen im Zusammenhang mit Reisen in die USA, nach Belgisch-Kongo, Danzig, Moskau, Wien und Prag (zu lesen etwa in "Auf der Schattenseite"). Als Morphinistin unterzog sie sich diversen Entziehungskuren in der Schweiz. 1942 starb die Journalistin, Schriftstellerin und Fotoreporterin in Sils in der Schweiz.

(a.bü)

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