Umweltkontrollbericht: Österreichs Situation kaum verbessert

10. August 2001, 14:31
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Ozonschicht über Österreich bereits um acht Prozent dünner

Wien - Die Umweltsituation Österreichs hat sich in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Das zeigt der neue Umweltkontrollbericht des Umweltbundesamtes.

Emissionen wurden nicht reduziert, Verkehr und Flächenverbrauch sind weiter steigend, die Ozonschicht dünnt aus. Die guten Nachrichten: Die Lärmbelästigung ist rückläufig, ebenso der Stickoxid-Ausstoß, Seen und Flüsse sind weiter sauber.

CO2-Emissionen seit 1990 um 5,2 Prozent gestiegen

Bei den Treibhausgas-Emissionen ist der Ausstoß von CO2 von 1990 bis 1999 um 5,9 Prozent gestiegen, jene aller sechs "Kyoto-Gase" um 2,6 Prozent. Es wären aber Reduktionen nötig, um das Ziel von minus 13 Prozent bis zum Zeitraum 2008-2012 zu erfüllen. Zu den Luftschadstoffen wird vom Umweltbundesamt (UBA) zudem notiert, dass "die derzeit in Österreich gemessenen Immissionsbelastungen durch Gesamtschwebestaub erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung haben können".

Per anno 2.400 Todesfälle durch Luftverschmutzung durch Straßenverkehr

Allein der Straßenverkehr verursacht laut einer vom UBA zitierten Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO in Österreich Gesundheitskosten von rund 40 Milliarden Schilling pro Jahr. Noch schlimmer: Den Angaben zufolge sind per anno 2.400 Todesfälle auf Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr zurückzuführen - das sind rund zweieinhalb Mal so viele, als bei Unfälle sterben. Dabei wächst das Verkehrsaufkommen seit vielen Jahren: Im Jahr 2000 wurden in der Alpenrepublik rund 122 Milliarden Personenkilometer zurückgelegt. 1970 waren es genau die Hälfte.

Gute Wasserqualität von Flüssen und Bächen Weiter gute Nachrichten gibt es zur Wasserqualität von Flüssen und Bächen. Bis 1998 sei der Anteil jener Gewässer, die nach der vierstufigen Güteklassenskala mit III oder schlechter einzustufen sind, auf unter drei Prozent gesunken. Die heimischen Seen weisen weiterhin eine gute bis sehr gute Wasserqualität auf.

Schwefeldioxid konnte weiter reduziert werden

Der Ausstoß an Stickstoffoxiden ist in den Vorjahren in etwa gleich geblieben. In Sachen Luft gibt es nur eine wirkliche Erfolgsstory in Österreich, und das seit vielen Jahren: Schwefeldioxid, das von einem sehr niedrigen Niveau weiter reduziert wurde (SO2 im Jahr 1999: 42.000 Tonnen). Dagegen sind die Emissionen von Cadmium und Quecksilber sowie jene der schwer abbaubaren organischen Luftschadstoffe der Dioxin-Gruppe und der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAH) weitgehend konstant geblieben.

In manchen Regionen Österreichs wird es immer enger: Regionale Einwohnerzuwächse gibt es laut UBA vor allem im Umland von Großgemeinden und -städten wie Wien, Graz, Linz und Salzburg sowie im Inntal. Dagegen hat die Bevölkerung im Waldviertel, dem nördlichen Weinviertel, dem Südburgenland sowie der Süd- und Obersteiermark am stärksten abgenommen. "Der gesamte Flächenverbrauch in Österreich wir mit 15 bis 25 ha/Tag abgeschätzt. Das entspricht einem Pro-Kopf-Flächenverbrauch von 7 bis 12 m2/Jahr", heißt es im Umweltkontrollbericht.

Grüne: Wesentliche Verbesserungen wurden in vergangenen Jahren kaum erzielt

Wien - "Wenn Landwirtschaftsminister Molterer angesichts des neuen Umweltkontrollberichts von 'Österreichs Umwelt-Erfolgen' spricht, so kann ich das nur als fahrlässige Verharmlosung und Verhöhnung der hervorragenden Analysen der Experten des Umweltbundesamtes bezeichnen", kritisiert Eva Glawischnig, Umweltsprecherin der Grünen, in einer Aussendung. "Denn in vielen Bereichen hat sich der Umweltzustand in Österreich in den letzten Jahren auf schlechtem Niveau eingependelt, wesentliche Verbesserungen wurden kaum erzielt."

Molterer "Behauptung", in der Luftreinhaltung seien kontinuierliche Erfolge zu verzeichnen, hielt die GRüne Umweltsprecherin entgegen, dass abgesehen von Schwefeldioxid die Schadstoffesmissionen in allen Bereichen konstant geblieben bzw. sogar weiter angestiegen sind. "Die Zunahme der CO2-Emissionen seit 1990 um 5,2 Prozent zeigt deutlich, dass Österreich im Klimaschutz seit Jahren versagt", so Glawischnig. "Gerade angesichts dieser Zahlen ist es skandalös, dass Molterer dem Parlament immer noch keine umfassende Klimaschutzstrategie vorgelegt hat."

200.000 Menschen in Ost-österreich werden mit nitratbelastetem Trinkwasser versorgt

Das im Jahr 2000 von Molterer dem Ministerrat präsentierte Klimaschutzpapier ist aus ihrer Sicht ein "Alibipapier", das alle politisch "heikleren" Maßnahmen (Ökologisierung des Steuersystems, Verkehrsbereich etc.) ausklammere. Auch im Abfallbereich und beim Gewässerschutz kann Glawischnig die Erfolge nicht nachvollziehen. "In Ostösterreich werden weiterhin ca. 200.000 Menschen mit nitratbelastetem Trinkwasser versorgt, und das Anwachsen der Müllberge hat Molterer durch die Begünstigung der Plastikflasche noch verschärft."

Abschaffung des Umweltministeriums

Insgesamt bestätige sich im neuen Umweltkontrollbericht für die Grünen die immer wieder geübte Kritik an der unzureichenden Umweltpolitik der ÖVP. "Die ÖVP stellt seit Jahren die Umweltminister und hat die Umwelt-Misserfolge in Österreich klar zu verantworten. Angesichts dieser Mängel auch noch das eigenständige Umweltministerium abgeschafft zu haben, muss geradezu als obszön bezeichnet werden", so Glawischnig.

Landwirtschaft gehört zu en großen Umweltverschmutzern

Die Grüne befürchtet, dass sich die Umweltsituation unter Landwirtschaftsminister Molterer weiter verschlechtern werde. "Umwelt und Landwirtschaft sind in einem Ressort unvereinbar. Denn, auch das zeigt der Umweltkontrollbericht deutlich, die Landwirtschaft zählt neben dem motorisierten Verkehr und der Industrie zu den Hauptverursachern der Umweltverschmutzung in Österreich. Beispielsweise hat der Schweineskandal deutlich bewiesen, dass Molterer der industriellen Landwirtschaft die Mauer macht, anstatt dringend nötige Reformen umzusetzen", meinte Glawischnig. (APA)

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