Philip Morris muss "nur" 100 Millionen Dollar zahlen

10. August 2001, 10:55
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Bezirksrichter reduzierte Schadenersatz: Drei Milliarden Dollar waren "übertrieben"

Los Angeles - Statt einer Rekordsumme von drei Milliarden Dollar (3,39 Mrd. Euro/46,6 Mrd. S) Schadenersatz soll ein krebskranker Raucher von dem amerikanischen Tabakkonzern Philip Morris nur noch 100 Millionen Dollar (113,0 Mill. Euro/1,55 Mrd. S) erhalten. Ein Bezirks-Richter in Los Angeles ist damit am Donnerstag der Forderung des Tabak-Konzerns nachgekommen, ein früheres Urteil zu revidieren und die Höhe der Strafzahlung drastisch zu senken. Falls der todkranke Kläger die geringere Summe ablehnt, will das Gericht einen neuen Prozess zulassen. Nach US-Medienberichten bezeichnete Richter Charles McCoy die ursprüngliche Strafe als "übertrieben".

Eine zwölfköpfige Jury hatte dem 56-jährigen Kläger Richard Boeken im Juni 5,5 Millionen Dollar (6,21 Mill. Euro/85,5 Mill. S) als Entschädigung sowie drei Milliarden Dollar als Strafzahlung zugesprochen. Dies ist die größte Geldsumme, die je in einem Prozess einer Privatperson gegen einen Tabakkonzern bewilligt wurde. Die Geschworenen befanden Philip Morris in allen sechs Anklagepunkten wegen Betrug, Fahrlässigkeit und Herstellung eines "fehlerhaften" Produktes schuldig.

Gefahren unterspielt

Boeken, der unheilbar an Lungenkrebs erkrankt ist, sagte vor Gericht, dass der Konzern nicht deutlich genug auf die Gefahren des Rauchens hingewiesen hätte. Der Kalifornier hatte 1957 im Alter von 13 Jahren mit dem Rauchen begonnen. 40 Jahre lang rauchte er täglich mehr als zwei Packungen Marlboro. 1999 erkrankte Boeken unheilbar an Lungenkrebs.

Die Anwälte von Philip Morris argumentierten vor Gericht, dass der Kläger ihre Warnungen über die Gefahren des Rauchens ignoriert habe und das Risiko bewusst eingegangen wäre. Sie legten gegen das Urteil Berufung ein und forderten den zuständigen Richter beim "Superior Court" auf, die ungewöhnlich hohe Strafzahlung auf 25 Millionen Dollar (28,2 Mill. Euro/389 Mill. S) zu senken oder einen neuen Prozess zu gewähren. (APA/dpa)

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