Forscher und Kranke enttäuscht über Entscheidung

10. August 2001, 20:08
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Biologe: Aussichtsreichste Projekte bleiben in Privathand

Palo Alto - Die Entscheidung von US-Präsident George W. Bush, die Stammzellenforschung unter begrenzten Voraussetzungen zu fördern, hat viele Forscher und Patienten enttäuscht. Der querschnittsgelähmte US-Schauspieler Christopher Reeve ("Superman") gab im Gespräch mit dem CNN-Moderator Larry King zu, auf eine weitaus großzügigere Regelung gehofft zu haben. Reeve ist überzeugt davon, dass embryonale Stammzellen ihm eines Tages wieder zum Laufen verhelfen könnten.

Der Bioethiker Arthur Caplan (Philadelphia) kritisierte ebenso wie Reeve an der Entscheidung von Bush, dass Stammzellenforscher nur dann Hilfe aus Washington erwarten dürfen, wenn sie mit bereits existierenden Linien von Stammzellen arbeiten. "Erstens halten diese Zell-Linien nicht ewig, und zweitens sind viele von ihnen durch Patente und Lizenzen für Forscher an Universitäten nicht verfügbar", sagte Caplan.

Der Biologe und Nobelpreisträger der Chemie (1980) Paul Berg von der Stanford Universität in Palo Alto (Kalifornien) betrachtet den von Bush gewählten Weg gar als "Desaster". Berg erläuterte der Deutschen Presse-Agentur, dass die vielversprechendsten Stammzellenprojekte mit Bushs Regelung "in Privathand" blieben. Das Gros der Forscher an den Universitäten und anderen öffentlichen Einrichtungen müssten sich mit "Nischen" begnügen, die nicht schon durch Patente und Rechte vergeben sind.

Berg und Reeve hatten dafür plädiert, alle jene Embryos zur Gewinnung von Stammzellen zu nutzen, die von Behandlungen in Fruchtbarkeitskliniken übrig geblieben und für Forschungszwecke gespendet worden waren. Studien mit neu gewonnenen Stammzellen schließt der US-Präsident jedoch die Förderung mit Steuergeldern aus und erlaubt stattdessen nur die wenigen Zell-Linien, die in den vergangenen Jahren bereits gewonnen wurden und sich seitdem immer weiter vermehren.

Bush bezifferte die bereits existierenden Zell-Linien in seiner Ansprache auf "etwa 60" und rief mit dieser Zahl weithin Erstaunen hervor. Reeve sagte bei CNN offen, noch nie von eine so hohen Zahl gehört zu haben. Auch seine Schauspielkollegin Mary Tyler Moore, die wegen ihrer Diabetes-Kranheit ebenfalls zu den Stammzelle-Aktivisten gehört, war überrascht.

Nach Auskunft des Chemie-Nobelpreisträgers Berg stammen alle in den USA entwickelten Stammzell-Linien vom Forschungsinstitut WiCell in Madison (Wisconsin). WiCell liefert seine Stammzellen auch ins Ausland, laut Berg aber aus weitaus weniger als 60 Zell-Linien. Der Gründer und wissenschaftlicher Direktor des Instituts, James Thomson, hatte 1995 als erster Forscher weltweit embryonale Stammzellen von Primaten isoliert und 1998 - ebenfalls als erster - embryonale Stammzellen des Menschen. (APA/dpa)

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