Israel übt mit Luftangriffen Vergeltung

10. August 2001, 08:02
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Polizei schließt Orienthaus in Jerusalem und weitere PLO-Büros

Jerusalem/Ramallah - Israel hat Freitag früh mit schweren Luftangriffen auf Ziele der palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland Vergeltung für einen Selbstmordanschlag geübt, bei dem zwölf Stunden zuvor in Jerusalem mindestens 15 Menschen getötet und über 90 verletzt worden waren. Nach einer Stunden dauernden Kabinettssitzung ließ Ministerpräsident Ariel Sharon gegen 1.30 Uhr MESZ F-16 Kampfflugzeuge aufsteigen, um zahlreiche Gebäude in Ramallah und anderen Städten im Westjordanland anzugreifen. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor. Israelische Polizisten und Sicherheitskräfte schlossen zudem die Büros der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO.

Kampfhubschrauber beschossen Gebäude des palästinensischen Fernsehens und Rundfunks in Ramallah. Auf das palästinensische Polizeihauptquartier bei Ramallah feuerten die Kampfflugzeuge zwei Raketen. Das Gebäude sei in Flammen aufgegangen, berichteten Augenzeugen. Die Autonomiebehörde hatte die meisten öffentlichen Gebäude in den Autonomiegebieten bereits kurz nach dem Selbstmordanschlag am Donnerstagnachmittag räumen lassen.

Schließung der PLO-Büros

Die Schließung der PLO-Büros in Ost-Jerusalem erfolge in Übereinstimmung mit den vor sieben Jahren geschlossenen Verträgen von Oslo, hieß es in einer Erklärung von Sicherheitsminister Usi Landau in der Früh. Die Polizei schließe nun das Büro der Palästinenser-Regierung im Orient-Haus sowie neun weitere Büros der Behörde in Ost-Jerusalem, sagte ein Polizeisprecher. Die Anweisung zur Schließung der Büros der Palästinenser-Regierung seien von politischer Ebene erfolgt, teilte die Polizei mit. Sieben Vertreter des Orient-Hauses seien zur Befragung abgeführt worden. Das Orient-Haus dient der Palästinenser-Regierung als Verwaltungssitz in Jerusalem.

Der palästinensische Abgeordnete Hatem Abdel-Kader sagte, die israelische Polizei habe das Gebäude durchsucht und zwei Wachmänner festgenommen. "Das ist eine sehr gefährliche Maßnahme. Wir werden diese Institutionen in Jerusalem verteidigen", sagte Abdel-Kader.

Israelische Soldaten stürmten zudem das Haus des Gouverneurs in der palästinensischen Stadt Abu Dis an der Ostgrenze Jerusalems. Zudem besetzten sie benachbarte Häuser, die als Kommando-Zentrale palästinensischer Sicherheitskräfte dienen sollen. Da die Palästinenser-Regierung ihre Sicherheitskräfte nutze, um Attentäter nach Israel zu schicken statt diese zu hindern, habe Israel sich entschieden diese Gebäude zu besetzen, teilte die Polizei mit. Israelische Panzer beschossen nach palästinensischen Angaben eine Polizeistation im Gaza-Streifen. (APA/Reuters/dpa)

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