Kärnten: Krankenkasse schränkt Physiotherapie ein

10. August 2001, 12:37
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Bereits 25-prozentiger Rückgang der Behandlungen

Klagenfurt - Kärntens Kur-und Rehabilitationszentren schlagen Alarm. Sie befürchten, dass die Kärntner Gebietskrankenkasse (GKK) in Zukunft weniger physikalische Therapien bewilligen wird als bisher. Anlass dafür ist eine Einschränkung der bisherigen Bewilligungspraxis seitens der GKK.

Nur mehr sechs ambulante Therapiesitzungen werden bezahlt

Seit 1. Juli 2001 werden nämlich nur mehr sechs ambulante Therapiesitzungen mit insgesamt 20 Anwendungen ohne chefärztliche Bewilligung bezahlt. Der Gremialvorsteher der Gesundheitsbetriebe in der Wirtschaftskammer Helmuth Reichel, der selbst als Arzt ein Kurhaus in Klagenfurt betreibt, sieht darin eine "massive Verschlechterung" für die Patienten: "Damit werden die Behandlungsmöglichkeiten bis zur Wirkungslosigkeit reduziert." Reichel befürchtet, dass die Krankenkasse ärztlich verordnete physikalische Therapien aus Kostengründen wieder streichen und Druck auf die Ärzte ausüben wird. Reichel: "Ich warne Ärzte dringend davor, wegen der GKK keine ausreichenden Therapien mehr zu verordnen." Bei negativen Auswirkungen hafte der Arzt. Außerdem seien ambulante Therapien wesentlich kostengünstiger als stationäre Kuraufenthalte.

Bereits 25-prozentiger Rückgang der Behandlungen

Allein in seinem Haus habe die neue Verordnung innerhalb eines Monats zu einem 25-prozentigen Rückgang der physikalischen Behandlungen geführt, weiß Reichl. "Das heißt, dass Kärntens zehn private Kur- und Reha-Zentren etwa zehn Prozent ihrer derzeit 2500 Beschäftigten sofort abbauen müssten", pflichtet der Leiter des Reha-Zentrums Althofen Hans Helmuth Eder bei. Kleinere Anbieter und selbstständige Physiotherapeuten würden dadurch in den Konkurs getrieben. Durch die neue Krankenanstalten-Finanzierung seien Patienten vermehrt zur physikalischen Behandlung in den extramuralen Bereich umgelenkt worden. Dort jetzt wieder den Rotstift anzusetzen sei "konzeptlos".

GKK-Direktor Alfred Wurzer betont im Gespräch mit dem STANDARD: "Der Leistungsumfang bleibt voll erhalten, wir setzen nur mit unseren Steuerungsinstrumenten früher an." Eine stärkere Kontrolle sei nötig, da vielfach "unnötige" Leistungen in Anspruch genommen würden, weil man weiß, "dass die Kasse ohnehin zahlt". (stein, DER STANDARD Print-Ausgabe 10.August 2001)

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