Scheinmedikament gegen Parkinson

9. August 2001, 21:28
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Physiologische Wirkung nachgewiesen

Washington - Ein Scheinmedikament kann Parkinson-Kranken genauso helfen wie die eigentliche Medizin selbst. Bisher schoben Mediziner Erfolge durch den so genannten Placebo-Effekt auf das subjektive Empfinden der Patienten, also auf psychologische Faktoren. Die kanadischen und finnischen Forscher wiesen jetzt jedoch auch eine physiologische Wirkung des Placebo-Effekts im Körper nach.

Er löste überraschenderweise bei Parkinson-Patienten die gleichen Abläufe im Hirn aus, die das tatsächliche Medikament aktiviert hätte. Über diesen Erfolg eines völlig wirkstofflosen Scheinmedikaments berichtet ein kanadisch-finnisches Forscherteam im US-Wissenschaftsmagazin "Science" (Bd. 293, S. 1133) vom Freitag.

Das Team um Raul de la Fuente-Fernandez von der Universität von British-Columbia in Vancover (Kanada) nutzte ein modernes Aufnahmeverfahren, die Positronen-Emissionstomographie (PET), um den Placebo-Effekt im Gehirn ihrer Patienten nachzuweisen. Dabei fanden sie, dass bereits die Erwartung einer Besserung durch das Medikament die Produktion der Nervenleiter-Substanz Dopamin im Hirn ankurbelte.

"Belohnung"

Dopamin spielt ein Rolle bei der Regulierung verschiedener Wahrnehmungs- und Verhaltensfunktionen sowie der Bewegung. Es ist auch wichtig für Situationen, in denen das Gehirn mit einer Belohnung rechnet. Die Autoren schließen daraus, dass die beobachtete Dopamin-Freigabe in einer bestimmten Region des Hirns daher kommt, dass diese Region mit einer "Belohnung" von der wirkungslosen Pille rechnete - in Form von besserem Befinden - und in dieser Erwartung schon von allein die medikamentöse Wirkung vollzog.

Bei Parkinsonkranken produziert das Gehirn zu wenig Dopamin. Dadurch kann die Bewegung nicht mehr richtig koordiniert werden. (APA/dpa)

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