Schrei lauter, du Beast - Teil II

    13. August 2001, 16:36
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    Beim dB-Drag-Racing zählt nur eines: Nicht der Schnellste, der Lauteste gewinnt. Der Bolide des „Sabotage“-Aktionisten Robert Jelinek, ist der Allerlauteste. „Bewegt“ sprach mit Jelinek über Sound auf kleinstem Raum.


    „The Beast“ hat der Konkurrenz bei den „European dB Drag Racing Championships“ in Stuttgart mit 167,2 Dezibel die Fensterfüllung aus dem Blech getrieben. Der akustisch aufgemotzte Mini siegte mit 1,2 Dezibel Vorsprung. Ein Super-Champ. „Jetzt bist du wirklich ein Österreicher“ müsste das Kleinformat titeln. Aber zum Einen ist Jelinek bereits Österreicher, zum Anderen ist er Aktionist und sieht das ganze naturgemäß etwas anders.

    Interventionen

    Der Mastermind der Wiener Kulturinitiative „Sabotage“ und Gründer des Electronica-Labels „Subetage“ machte bislang vor allem mit seinen „Interventionen im öffentlichen Raum“ auf sich aufmerksam. Ziel von Jelineks „Sabotagen“ sind die Decouvrierung von Alltagsgewohnheiten und die kritische Hinterfragung der Manipulationskraft von Kommunikation.

    Außergewöhnlich Gewöhnliches

    Der Einstieg in die dB Drag-Racing-Szene und die Inszenierung von Musik als Lärm ist nur ein Mosaikstein in Jelineks künstlerischer Laufbahn. „Das Auto wird aus dem eigentlichen Kontext herausgerissen. Das Gewöhnliche wird zum Außergewöhnlichen. Dieser rote Faden zieht sich ja durch alle meine Aktionen. Das Wichtigste ist aber die ironische Herangehensweise. Das Ganze soll vor allem Spaß machen,“ und mit einem mal bekommt der ansonsten ruhige Unterton seiner Stimme eine euphorische Färbung und man ahnt, was bei diesen Events abgeht.

    Explodierende Eingeweide

    Noch vor wenigen Jahren inszenierte „Sabotage“ Gegenteil von Lärm - Stille. Genauer: Für das menschliche Gehör nicht mehr wahrnehmbare Töne im Niedrig-Hertz-Bereich. „Infra-Sounds“ sind nicht nur akustische Spielereien, „Infra-Sounds“ sind eine militärische Waffe. Töne in sehr niedriger Frequenzlage können Menschen ihres Orientierungssinns berauben und Brechreiz auslösen. „Ab einem bestimmten Level explodieren dann die Eingeweide“, konstatiert Jelinek trocken.

    Fensterscheiben explodieren, wenn „The Beast“ von der Leine gelassen wird. Auf den ersten Sieg in Stuttgart folgte ein zweiter. Weitere stünden gemeinsam mit den Linzer Partnern „Sound Blast“ zu feiern an. Jelinek denkt jedoch einen Schritt weiter: „Im Oktober werden wir „The Beast“ in irgend einer Parklücke abstellen. Jeder hat dann über Internet die Möglichkeit, seine eigenen Sounds einzuspielen, um die Wiener City zu beschallen“.

    Auto-Affinität

    Autos stehen im Zentrum vieler „Sabotage“-Aktionen. So fuhr Jelinek im Rahmen einer Drive-In-Nacht im Wiener Flex nicht nur mit einem im Zuschauerraum positionierten Autowrack und von heimischen Filmkünstlern gestalteten Motorvideos auf. Stilgerecht ließ er die auftretenden Musiker auch in einer weißen US-Stretchlimousine am Donaukanal vorfahren. Die nach einer in Konkurs gegangenen Automarke benannten Retro-Electro-Popper „Le Car“ aus Detroit verlegen bei „Sabotage“. Im Rahmen einer Ausstellung parkte Jelinek einen Tanklastzug publikumswirksam vor der Tiroler Kunsthalle. „The Beast“ ist vorläufiger Schlusspunkt in einer langen Reihe „automobiler“ Rezitationen.

    Der Traumwagen

    „Das hat sich aber rein zufällig so ergeben“, meint Jelinek rückblickend. „Natürlich übt der gesamte Motor- und Autobereich eine gewissen Reiz auf mich aus. Dabei steht aber der soziale Kontext, der Gebrauchtskontext, im Vordergrund,“ sagt ein Mensch, dessen Homepage ein bildschirmfüllendes „GOLD FOR THE BEAST - Sabotage bombs the Race!“ ziert und für den ein Geldtransporter der absolute Traumwagen wäre. „Aber als Privatperson darf man so einen in Österreich leider nicht fahren.“

    Von Kommunikaze

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