Schwerer Verdacht gegen Englands Farmer

9. August 2001, 21:22
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Bereicherung durch Verbreitung von Maul- und Klauenseuche

Großbritannien/Wien - Eine Kommission der britischen Regierung untersucht Vorwürfe gegen "Unbekannt" im Zusammenhang mit der Maul-und Klauenseuche. Laut Press Association wurde einer walisischen Bäuerin per Telefon ein verseuchtes Schaf um 2000 Pfund angeboten, damit sie Enschädigungszahlungen kassieren könne. Vom STANDARD darauf angesprochen erklärt sich das Innenministerium für nicht zuständig und verweist auf das Landwirtschaftsministerium, das seinerseits keine Auskünfte geben will.

Bisher haben 37 Farmer, deren Anwesen in den vergangenen Fiskaljahren einen Jahresgewinn von zwischen 120.000 und 150.000 Schilling auswiesen hat, um Einmalentschädigungen in der Höhe von bis zu 23.000 Millionen Schilling angesucht und laut Expertenmeinung gute Chancen, diese auch zu erhalten.

Informationsverweigerung

Beobachter bewerten die Informationsverweigerung des Landwirtschaftsministeriums damit, dass bei Erhärtung des Verdachts auf Betrug die EU die Zahlungen für die Entschädigungen blockieren könnte.

Bereits Ende Juli hatte die EU, die für bis zu 60 Prozent der Zahlungen aufkommt, von der britischen Regierung eine Untersuchung eingefordert. Damals hatten die Kosten für Entschädigungszahlungen an betroffenen Bauernhöfen fast eine Milliarde Pfund (rund 22 Milliarden Schilling oder 1,6 Milliarden Euro) erreicht, während sich die Seuche in manchen Teilen des Landes noch immer verbreitete.

Millionenbeträge

Das Landwirtschaftsministerium beteuert, dass Millionenbeträge nur an Höfe mit Stammbaumzüchtungen oder Bauern mit mehreren Höfen ausbezahlt würden. Die EU befürchtet hingegen, dass die Farmer durch Herbeiziehen unabhängiger Gutachter den Wert ihrer toten Tiere und somit die Enschädigungen in die Höhe getrieben haben.

David Brown, Vorsitzender der Gesellschaft britischer Viehauktionäre, begegnet den Vorwürfen mit folgendem Argument: "Der Wert einer Kuh ist so schwer zu schätzen wie der Wert eines Autos: Von ein paar Pfund für ein altes klappriges Wrack bis zu einer Viertelmillion (Pfund) für ein neues Modell ist alles drin." Sean Rickard, ehemals Ökonom beim Bauernverband, hält dagegen, dass Stammbaumtiere mit einem Wert "bis zu 20.000 Pfund eine Rarität sind. Es ist wohl eher so, dass die Gutachter den höchstmöglichen Wert festlegen, weil sie Provision bekommen."

Stichproben der Polizei attestieren außerdem Nachlässigkeit in der Einhaltung der Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung. An 46 von 677 überprüften Höfen sollen etwa keine Seuchenteppiche verwendet oder die Desinfektion von Autos verabsäumt worden sein. (Eva Stanzl, DER STANDARD Print-Ausgabe 10.August 2001)

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