Ein Populist als König, ein Bischof als Populist

10. August 2001, 13:24
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Wie es um die Koalition Schüssel- Haider bestellt ist, lässt sich nicht so genau sagen, eher soso lala. Hingegen funktioniert die Koalition Haider-Fellner besser als je zuvor: Gegen die Sommerspiele, die in den letzten Tagen als Benefizveranstaltungen für Jörg Haider auf den vereinigten Formil-Bühnen gelaufen sind, nehmen sich Salzburg, Bregenz und Mörbisch eher bescheiden aus.

"Format" durfte mit Der König vom Wörthersee stärker auf den operettenmäßigen Gehalt der Tätigkeit eines Kärntner Landeshauptmannes verweisen, während "NEWS" vom nackten Oberkörper desselben einen Hauch von Politik zu erschnüffeln vermeinte: Während Jörg Haider in Kärnten von Event zu Event jagt, plant er im Hintergrund die Schüssel-Demontage. Immer derselbe muffige Herrenduft.

"profil" versuchte mit Die Erotik des Volleyballs an die Amtlichkeit des Kärntner Landespressedienstes anzuknüpfen, indem es aus Haiders Terminkalender plauderte. "Ich muss jetzt regiern", sagt er. Soll heißen, er muss ganz presto zum Villacher Kirchtag und dort ein Fass anstechen. Anschließend geht es mit dem Partyschiff nach Velden und mitten hinein ins Nachtleben. Damit das Volk einmal die Wahrheit über die Strapazen eines Politikerlebens erfährt. Das leisten die Medien für die Demokratie!

An gesunder Selbsteinschätzung der eigenen Blätter fehlt es den Fellners dabei nicht. In der Tat füllt der Landeshauptmann mit seinen öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten neuerdings eher Klatschspalten und Sportrubriken statt die Politikseiten der Tageszeitungen. Man könnte auch sagen, sie machen die Politikseiten ihrer Magazine zu Klatschspalten, und da gibt es nun einmal kein besseres Füllmaterial als Jörg Haider.

Wolfgang Schüssel ist ja diesbezüglich eine Niete, der soll gelegentlich sogar hinter seinem Schreibtisch sitzen. Und was soll es schon für die Klatschspalten abwerfen, wenn sich einer als Oblate des hl. Engelbert zu innerer Einkehr und Kasteiung ins Kloster zurückzieht und still zusieht, wie der König vom Wörthersee den Oberkörper rauslässt und die Himmelfahrt des Klosterbruders plant?

Dafür darf der große Basisdemokrat - die Bevölkerung muss gefragt werden, wenn es ihm passt - in den Klatschspalten markige Sprüche von sich geben, wie: Unser Rezept ist, in allen Bereichen aktiv zu sein. Das schafft den Faktor der Dynamisierung. Dieses Rezept hat nicht er erfunden, das stammt von einem Dynamiker namens Goebbels. Dafür weiß er zum Thema repräsentative Demokratie was Neues: Wir sind vielleicht vierzig, fünfzig Leute, die an verschiedenen Schaltstellen dieses Landes operativ tätig sind. Aber eigentlich sind die auch schon zu viel, denn: Ich ziehe die Dinge durch. Wahre Demokratie erfüllt sich eben in Führerprinzip und Spaßgefolgschaft: Kärnten blüht auf.

Vielleicht war es die Aufmerksamkeit, die der Kärntner Schnittlauch auf allen Partysuppen in gewissen Medien erregt, die den Weihbischof von Salzburg dazu drängte, sich einmal als Schnittlaun auf den Süppchen von Wissenschaft und Kunst zu verstreuen. Nicht zufrieden mit seinem noch frischen Ruhm als Entdecker der Schwulenkrankheiten rechnete er gestern in der "Kronen Zeitung" auf höchstem künstlerischen Niveau mit dem frechen Ausländer Gerard Mortier ab. Er scheint viel vom Theater zu verstehen, aber nichts davon, wie man sich als Gast und überhaupt benimmt. Seine Verachtung für unser Land, für unsere Geschichte - einschließlich der Kaiserin Sisi! - für "diese Regierung" endet offenbar dort, wo er von "dieser Regierung" und von "diesem Land" Geld bekommt, viel Geld und zu viel Geld.

Erst von "dieser Regierung" zu viel Geld einstreifen, und dann auch noch die Kaiserin Sisi verachten - da geht einem ja die Mitra hoch! So ein Ausländer hat froh und dankbar zu sein, dass er in Österreich, insbesondere in Salzburg, überhaupt arbeiten darf. Und was tut er? Er spricht von "einer kaum vorhandenen intellektuellen Schicht" in Salzburg und meint spöttisch, hier regierten "wie früher Klerus und Kleinhändler, Taxifahrer und Hoteliers".

Da regt sich ein Verdacht: Man merkt, dass er von Salzburg keine Ahnung hat, ebenso wenig wie von Österreich überhaupt. Bei solchen selbst verschuldeten ideologischen Scheuklappen gibt es nur eins: Vielleicht sollte er einmal heruntersteigen von der Wolke seines Dünkels. Und hilfreich neigt sich der Weihbischof von der seinen zu dem verirrten Schäflein: Es sei erlaubt, seinem Wissen auf die Sprünge zu helfen: Ohne den von ihm verachteten Klerus gäbe es Salzburg so nicht, wie es in der ganzen Welt bewundert wird.

Da ist etwas dran, auch wenn aus dieser einseitigen Berühmung eine fast schon Mortiersche Verachtung Salzburger Kleinhändler, Taxifahrer und Hoteliers spricht, ohne die es Salzburg gewiss auch nicht so gäbe, wie es in der ganzen Welt bewundert wird.

Einen kleinen Anteil an der Bewunderung der Welt, die seine Eminenz dem eigenen Gewerbe vorbehalten möchte, sollte man auch dem Wolfgang Amadeus gönnen - schon wegen seinem legendär guten Verhältnis zum Salzburger Klerus. Und da wollen wir gar nicht den Verfasser des Heulers vom Herrn Jedermann ins Spiel bringen, der Menschen aus aller Welt wie die Fliegen auf den Domplatz lockt und dafür von Salzburger Hoteliers noch nicht einmal mit einer Hofmannsthalkugel geehrt wurde.

"Secundum modum recipientis", man erkennt nach Maßgabe der eigenen Fassungskraft! schreibt Herr Laun. Und das nicht nur, wenn es um Schwulenkrankheiten geht. (Günter Traxler/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10. August 2001)

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