Schrei lauter, du Beast

13. August 2001, 16:35
posten

Beim dB-Drag-Racing zählt nur eines: Der Lauteste gewinnt. Der Bolide des „Sabotage“-Aktionisten Robert Jelinek, ist der Allerlauteste. „Bewegt“ liefert eine Einblick in die Szene und sprach mit Jelinek über Sound auf kleinstem Raum.


Die Anlage produziert mehr Lautstärke und tiefere Frequenzen, als das Ohr verarbeiten kann. Man muss das Trommelfell quasi über den ganzen Körper ziehen und seinem alten Wortsinn zurück geben – aufs Fell wird getrommelt, die Haut wird geschlagen. Bis die Botschaft, ein Esperanto aus Bass und Schall, im Körper angekommen ist. Und die Botschaft ist klar: „HAVE AN EARGASM!!!!“ Willkommen in der dB-Drag-Racing-Gemeinde. Und es interessiert nur eines: Wer hat den lautesten Woofer im Kofferraum?

Raus, rein

Hier wird wieder einmal die unendliche Geschichte des dynamischen Stillstands erzählt. Die Apostel der Schalldruck-Szene befreien ihre Gefährte von ihrem tristen Dasein als schnödes Fortbewegungsmittel. Motor? Getriebe? Armaturen? Alles raus. Stattdessen: Hochstrombatterien, Verstärker, Subwoofer, Bauschaum, Dämmplatten. Alles rein. Bis zum Abwinken. Heraus kommt ein an die akustische Apokalypse gemahnendes Sound-Monster auf vier Rädern.

Alles da? Fast alles

An den Wochenenden zwischen Mai und September treten die in Blech gegossenen Krawall-Maschinen gegeneinander an. Dann mutieren verschlafene Provinznester zu ausufernden Tiefbasslandschaften. Tausende kommen. Die Atmosphäre stimmt. Gogo-Girls, BiervomFass, Würstel-Buden, Camping-Zelte, noch mehr BiervomFass. Alles da. Bis... ja bis auf das Dröhnen der Motoren. Stattdessen: BUMM-BUMM-MPF-MPF. ZSCH-ZSCH. RUMMSBUMMS-ZSCH-ZSCH-RRRRRRUMMMMMS.

SPL lautet das magische Kürzel beim einzigen Autorennen, bei dem sich die Kontrahenten keinen Millimeter vom Fleck bewegen. SPL steht für „Sound Pressure Level“: Schalldruck. Bei Großveranstaltungen treten die Lärm-Dompteure in unterschiedlichen Klassen gegeneinander an. Jedes Duell-Wochenende folgt demselben martialischen Ritus: Samstag Qualifikation, Sonntag Elimination, danach: „Deathmatch“.

Aus leise wird Lärm

Das Regelement ist strikt. Jeder db-Drag-Racer darf seinen CD-Player ausschließlich mit einem standardisierten Tonträger füttern. Das Ohr wird sich danach noch lange an das devote Surren des CD-Loaders erinnern. Denn ab diesem Zeitpunkt plärren die Woofer und dröhnen die Amps. Ergebnis: BRÜLLENDER, OHRENZERFETZENDER, ATEMBERAUBENDER LÄRM.

Facts & Figures

Nur das Regelwerk verhindert, dass alle Beteiligten von kollektivem Gehörsturz niedergestreckt werden. Das Messsystem zeichnet den Schalldruck bei geschlossenem Wagen unmittelbar hinter der Frontscheibe auf. Zwei Leuchtbalken geben den erreichten Dezibel-Wert an. Der bewegt sich bei Top-Anlagen ab 140 dB aufwärts. (Zur Orientierung: Ein Presslufthammer: 120 Dezibel. Ein startendes Flugzeug: 125 Dezibel. Fünf Speed-Metaller auf der Bühne = ein Rockkonzert: 130 Dezibel. Ab 120 dB droht Verletzungsgefahr, ab 150 dB pflegt ein Trommelfell zu platzen. Ab 180 dB hört man nur mehr die Engerl singen. Dann ist man nämlich tot. Der Drag-Racer-Rekord liegt bei rund 172 Dezibel.) So weit zu den nüchternen Zahlen.

Auftritt "The Beast"

„Mir geht es eigentlich um die Faszination, auf kleinstem Raum so viel Sound wie möglich unter zu bringen.“, meint hingegen Robert Jelinek, Mastermind von „Sabotage Communications“. Wenn er das sagt, klingt er wie Hermann- „I-hob-zwoa-mit-zwoa-Sekundn-Vorsprung-gwuna -bin-oba-sauschlecht-gfoan“-Maier. Jelinek ist ein Tiefstapler. Jelinek ist Besitzer von „The Beast“.

->>Zum zweiten Teil

Von Kommunikaze

ANSICHTSSACHE

"The Beast" - Der Dominator der Schalldruck-Szene

LINKS

"The Beast" - Daten, Fakten, Hintergründe

dB Drag Racing - Internationaler Verband

dB Drag Racing Deutschland

Event-Termine und Adressen in Österreich

VIDEO

Das Ende einer Windschutzscheibe - Impressionen von der WM 2000 in Nashville

    Share if you care.