Die Meute - Macht und Ohnmacht der Medien

10. August 2001, 19:30
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Eigentlich hat die Fotojournalistin Herlinde Koelbl einen Fernsehfilm gedreht, der am Freitag, um 21.40 Uhr im ARD zu sehen ist. Das Buch dazu gibt es schon: Interviews mit Journalisten, Fotografen, Kameraleuten über Macht und Ohnmacht der Medien.

Da ist Die Meute als Haupttitel schon griffiger. Weil die Erwartungen erfüllt werden: Ziemlich kurze Gespräche bietet Koelbl da, aber die aufschlussreichen Antworten von vielen durch ihre inhaltliche Arbeit prominent gewordenen Medienleuten bieten einen spannenden Einblick in die Mechanismen der Mediengesellschaft. Beispiele:

Martin E. Süskind, Chefredakteur der Berliner Zeitung: "Jeder Journalist in der Politik muss eine größtmögliche Nähe erreichen, sodass man an ihm nicht vorbeikommt. Aber dann muss er auch in der Lage sein, sich einmal um sich selbst zu drehen, um aus der Distanz seine Einblicke mit Unbefangenheit zu schildern und zu kommentieren."

Herbert Riehl-Heyse, Süddeutsche Zeitung: "Das mit der Macht (der Journalisten) habe ich mir ziemlich abgeschminkt im Lauf der Jahre. Ich glaube nicht mehr, dass ich Macht habe in dem Sinn, dass ich etwas bewege. Mein Ehrgeiz ist, zur politischen Diskussion, zur Aufklärung beizutragen."

Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur des Tagesspiegel: "Ich glaube, dass sich der Typus Politiker und der Typus Journalist in ihrer psychologischen Struktur manchmal sehr ähnlich sind."

Es ist kein Fotobuch geworden, sondern eine Dokumentation von Einblicken und Ansichten. Die man zu den Bildern aus den Spuren der Macht dazuhalten kann, um die Veränderungen der Machtmenschen durch die Meute zu begreifen. (Gerfried Sperl/DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10. August 2001)

Herlinde Koelbl: Die Meute - Macht und Ohnmacht der Medien
Knesebeck Verlag 2001
200 Seiten, öS 291,-
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