Abdallah Frangi: "Es werden sehr blutige Zeiten kommen"

9. August 2001, 20:14
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Palästinenservertreter in Deutschland rechnet mit Großoffensive der israelischen Armee

Wien/Berlin - Der Generalbevollmächtigte der Palästinenser in Deutschland, Abdallah Frangi, rechnet mit einer Eskalation der Gewalt im Nahen Osten. In einem Interview mit dem deutschen Fernsehsender n-tv erklärte Frangi laut Online-Ausgabe am Donnerstag zum jüngsten Selbstmordanschlag in Jerusalem: "Es ist eine Antwort auf die Politik (von Israels Ministerpräsident Ariel) Sharon."

"Ich glaube, dass die Gewalt eskalieren wird. Die Reaktionen der israelischen Armee sind bekannt. Ich rechne mit einer großen Offensive der Armee. Es werden sehr blutige Zeiten kommen - auf beiden Seiten", betonte der Palästinenservertreter.

Die Palästinenser hätten bis jetzt ihre Hoffnung auf die Europäer und die USA gesetzt, so Frangi. Aber die Reaktionen der Europäer und der Amerikaner seien "so langsam - fast lahm". Dadurch hätten sie zugelassen, dass die Konfrontation blutiger geworden sei. "Die USA und die Europäer hätten sich einschalten müssen, genau wie im Kosovo-Konflikt. Dann hätten wir weniger Blutvergießen erlebt."

Palästinenserpräsident Yasser Arafat habe "mit Sicherheit" mit dem Attentat nichts zu tun. Er habe die ganze Zeit vergeblich versucht, das Gespräch mit Sharon zu suchen. Die israelische Armee habe blutige Aktionen gegen Hamas, den Islamischen Jihad und die Al Fatah-Führung durchgeführt. Während des Waffenstillstandes habe es über 80 Tote und 200 Verletzte und eine große Verhaftungswelle in den Palästinensergebieten gegeben. "Das ist eine Politik der Konfrontation. Die Reaktion darauf ist eben auch so, wie sie ist", sagte Frangi.

Damit Israelis und Palästinenser wieder an den Verhandlungtisch zurückkehren, müsse eine internationale Truppe stationiert werden, die zwischen den beiden Konfliktparteien eine Linie zieht, meinte Frangi. (APA)

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