Uni-Autonomie: Rektoren stellen Bedingungen

10. August 2001, 14:36
3 Postings

Hochschulen als öffentlich-rechtliche Anstalten würden zu hohe Folgekosten erzeugen

Wien - Ihre Bedingungen für die Umwandlung von einer staatlichen in eine öffentlich-rechtliche Einrichtung stellten gestern Spitzenvertreter der heimischen Universitäten. Bereits am Montag will die Regierung im Ministerrat Punktationen zur so genannten Vollrechtsfähigkeit sowie zur "Profilentwicklung" der Universitäten vorlegen. In etwa zwei Jahren könnten erste Unis unter die erweiterte Autonomie fallen. Die Rektorenkonferenz sowie die Vorsitzenden der obersten Kollegialorgane haben dazu Vorschläge erarbeitet, die in einer Pressekonferenz von Rektorenchef Georg Winckler, TU-Wien-Rektor Peter Skalicky sowie Senatsvorsitzendem Franz Wojda (ebenfalls TU Wien) präsentiert wurden.

  • Die Unis sollen mehrjährige Globalbudgets erhalten und schließen mit dem Bund Zielvereinbarungen ab. Einer Kontrolle der Ergebnisse wird zugestimmt.
  • Der Staat muss die Folgekosten der erweiterten Autonomie abdecken. Dazu gehört auch die Mehrbelastung, die entsteht, weil neue Mitarbeiter in der "Vollrechtsfähigkeit" nicht mehr Beamte, sondern Angestellte sein werden, womit Sozialversicherungsbeiträge fällig werden.
  • Die Unis müssen weisungsfrei agieren können. Auch in die Personalpolitik soll sich der Bund nicht mehr einmischen können. Der bisherige "Universitätsbeirat" wird aufgewertet und in "Universitätsrat" umbenannt. Entscheidungsprozesse sollen vereinfacht werden (was unter anderem weniger studentisches Mitspracherecht in mehreren Gremien bedeutet).
  • Über die Erlöse aus den Studienbeiträgen wollen die Unis selbst verfügen.
  • Die diskutierte Herauslösung der Medizinischen Fakultäten aus der Gesamtuni wird abgelehnt.
Insgesamt erwarten sich die universitäten Vertreter eine "nachvollziehbare Politik, in die wir eingebunden sind". Skepsis herrscht in puncto "Profilbildung". Künftig soll es weniger, dafür besser ausgestattete Institute geben. Rektorenchef Winckler meint allerdings, dass ein gewisser Wettbewerb der Institute untereinander nützlich sei und warnt vor großflächigen Fusionen. (mon/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.9.2001)
Share if you care.