Argentinien: Furcht vor Staatsbankrott

10. August 2001, 13:52
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Regierung wirft Demonstranten gegen Sparpaket Umsturzpläne vor

Buenos Aires/Washington - Die argentinische Arbeitsministerin Patricia Bullrich hat den Teilnehmern der Demonstrationen, die sich gegen den Sparkurs der Regierung richten, Umsturzpläne vorgeworfen. "Es ist klar geworden, dass sie die Regierung stürzen wollen", sagte sie am Donnerstag dem Rundfunksender Radio America. Dies sei eine "völlig irrationale" Haltung, fügte die Ministerin hinzu.

Bei einer Demonstration von Arbeitslosen und Staatsangestellten hatten Redner am Vortag in Buenos Aires zum "Kampf auf den Straße" aufgerufen und gefordert, die "Neoliberalen mit Fußtritten aus der Regierung" zu stoßen. "Die Sparpolitik führt zu Hunger, Elend und den Tod unserer Kinder, und wir werden bis zur letzten Konsequenz dagegen kämpfen", hieß es weiter. Bisher verliefen die Proteste von Arbeitslosen, Rentner, Studenten und Staatsangestellten weitgehend friedlich.

Delegation verhandelt mit IWF

Die Regierung von Präsident Fernando de la Rua hat Kürzungen von 13 Prozent bei höheren Renten und Staatsgehältern durchgesetzt, um eine Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden.

Eine ranghohe Delegation der argentinischen Regierung verhandelt am Freitag und Samstag in Washington mit dem internationalen Währungsfonds (IWF) über weitere Kredite zur Stützung des krisengeschüttelten Landes. IWF-Sprecher Francisco Baker bestätigte das geplanten Treffen am Donnerstag in Washington. Zum Inhalt der Gespräche wollte er sich nicht äußern.

Furcht vor Staatsbankrott

Wirtschaftsminister Domingo Cavallo sagte in Buenos Aires, dass die Delegation nicht mit leeren Händen nach Hause kommen werde. Ob allerdings über konkrete Summen verhandelt werde, sei noch unklar.

Zu der Delegation gehören der argentinische Finanzstaatssekretär Daniel Marx und der stellvertretende Zentralbankpräsident Mario Blejer. Marx hatte mehrfach gesagt, dass Argentinien sich um weitere Kredite in Höhe von 6 bis 9 Milliarden Dollar bemühe, um die Liquidität des Finanzsystems zu garantieren.

Auf den internationalen Märkten wächst die Furcht vor einem Staatsbankrott in Argentinien. Die Regierung versichert dagegen, dass sie alle ihre Auslandsschulden in Höhe von 130 Milliarden Dollar (147 Mrd. Euro/2.021 Mrd. S) fristgerecht bedienen kann.

Der IWF hatte in der vergangenen Woche empfohlen, die für September vorgesehene Auszahlung einer Kredittranche über 1,2 Milliarden Dollar auf August vorzuziehen. Damit hätte Argentinien dann 7,3 Milliarden Dollar der insgesamt zur Verfügung stehenden Kredite von 13,4 Milliarden Dollar bezogen. (APA/dpa)

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