10.8.2001:
Ausstellungshaus auf dem Abstellgleis

25. August 2003, 14:26
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Ein Hilfeschrei: Das Künstlerhaus könnte schon bald eine Hülle ohne Inhalt sein

Weder der Bund noch die Stadt Wien will dem altehrwürdigen Verein Subventionen angedeihen lassen, die für den prononciert zeitgenössischen Ausstellungsbetrieb im Künstlerhaus notwendig sind. Ein Hilfeschrei.


Wien - Global Tools ist mit seinen spacigen Rauminstallationen derzeit wohl eine der interessantesten Ausstellungen in Wien. Und der "Katalog" nachgerade ein Designkunstwerk: Im blassgrünen Tupperware-Köfferchen stecken ein Kompass und eine Kamera. "Das Medienecho ist enorm", sagt Vitus H. Weh, der die Trendschau zusammen mit Tulga Beyerle konzipierte.

Dennoch könnte es sein, dass Global Tools die letzte große Eigenproduktion des Künstlerhauses bleibt: Der Verein würde, wie es Doris Rothauer, die Geschäftsführerin, ausdrückt, finanziell ausgehungert. "Wenn wir nicht doch noch vom Bund oder der Stadt Wien unterstützt werden, müssen wir den öffentlichen Betrieb mit Februar 2002 sperren. Es gäbe nur mehr kleine Personalen der Mitglieder, aber keine Veranstaltungen mehr." Und Weh ergänzt: "Es sieht katastrophal aus."

Kein Gesprächstermin

Vor fünf Jahren hatte das Künstlerhaus einen Vertrag mit dem Kulturministerium abgeschlossen, der eine halbjährliche Nutzung des Gebäudes durch die Bundesmuseen vorsah. Diese Einnahmen, die jährlich zwischen acht und zehn Millionen Schilling betrugen, sicherten den Betrieb: Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 20 Millionen (mehr als die Hälfte des Budgets spielt man durch Verpachtungen und das Kino ein).

Der Vertrag läuft aber mit 31. Jänner aus - und wird nicht mehr verlängert, obwohl einst eine längerfristige Zusammenarbeit beabsichtigt war: Kulturministerin Elisabeth Gehrer (VP) begründete den Schritt in einem Schreiben mit der Erhaltung der Bundesmuseen und der Fertigstellung des Museumsquartiers. Einen Gesprächstermin erhielt Nehrer nicht.

"Es ist in Ordnung, wenn man den Vertrag auslaufen lässt", so der Präsident. "Aber es ist nicht in Ordnung, wenn man uns überhaupt kein Geld geben will." Schließlich ist das Künstlerhaus eine bestens eingeführte Institution, und es verfügt über eine Infrastruktur, die Ausstellungsmachern alle Möglichkeiten bietet.

Zudem vollzog der Verein in den letzten Jahren - unter der Präsidentschaft des Architekten Nehrer und der Geschäftsführung Rothauers - einen gewaltigen Imagewandel: Mit Themenausstellungen wie Ghost Story (über Erzählweisen des Films, 1998), Fast Forward (über Mode, 1999), Sound&Files (über elektronische Musik, 2000) oder eben Global Tools ist man immer am Puls der Zeit und gibt jungen Künstlern die Gelegenheit, sich zu präsentieren.

"Goldfunde bei den Eskimos brauchen wir nicht", sagt Nehrer. "Wir fühlen uns der zeitgenössischen Kunst verpflichtet." Und auf diesem Gebiet leiste man Beachtliches, meint Rothauer: "Wir schließen Lücken." Beziehungsweise, wie es Weh sieht: "Das Künstlerhaus wird dafür abgestraft, dass es die Lücke sichtbar macht, die Peter Noever im Museum für angewandte Kunst seit Jahren durch Auftragsverweigerung reißt."

Vom Kunststaatssekretariat wie von der Stadt Wien erhielt man in der Vergangenheit fürs Programm jährlich zwei Millionen Schilling an Subventionen. Aber ob dies so bleibt? Selbst das ist fraglich: Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) könne noch nichts versprechen, soll er dem Verein mitgeteilt haben.

"Jeder will sich ein Denkmal bauen. Und so will Mailath-Pokorny ein eigenes Designzentrum beim Museumsquartier errichten, statt die Plattform Künstlerhaus zu nutzen", mutmaßt Weh erzürnt. Und Rothauer, enttäuscht von der "Hinhaltetaktik" der Politiker, fügt an: "Wir bringen genau das, wovon Franz Morak immer spricht: Creative Industries. Doch auch er unterstützt uns nicht."

Im Konzeptstadium befinden sich derzeit Ausstellungen über Typographie und Tendenzen in der Architektur. "Es ist aber unseriös, die Kuratoren arbeiten zu lassen, wenn wir nicht wissen, ob wir die Projekte finanzieren können", sagt Rothauer: "Es läuft uns die Zeit davon."
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 8. 2001)

Von
Thomas Trenkler

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