Autocluster Graz benötigt dringend Zuwanderung

10. August 2001, 09:57
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FP-Chef lehnt slowenische Experten strikt ab

Graz - Ungeachtet der speziellen Situation des steirischen Arbeitsmarktes, der besonders im boomenden Autosektor einen hohen Bedarf an Fachkräften meldet, bleibt der steirische FPÖ-Chef und Landeshauptmannvize Leopold Schöggl strikt auf Parteikurs und lehnt kategorisch einen Zuzug von ausländischen Fachkräften ab. Er will auch keine Experten aus dem benachbarten EU-Beitrittsland Slowenien in die Autoproduktionsbetriebe holen, die der Steiermark - die noch vor Jahren unter der Schwerindustrie stöhnte - einen neuen Aufschwung verliehen haben.

Im Großraum von Graz sind derzeit mehr als 200 Betriebe mit rund 15.000 Mitarbeitern im Autosektor, der für sämtliche internationale Konzerne produziert, tätig. Siegfried Wolf, Chef von Magna Steyr, hatte erst dieser Tage eine "dringende Aufstockung für ausländische Arbeitskräfte" gefordert. Magna benötige für neue Produktionsstätten noch heuer 1500 Arbeitskräfte.

Schöggl aber will hart bleiben und selbst für das Nachbarland Slowenien keine Ausnahme machen. Es müssten auch die Übergangsfristen für die EU-Beitrittsländer - so auch von Slowenien - streng eingehalten werden, verlangte Schöggl im Gespräch mit dem Standard. Schöggl: "Wenn aber die Slowenen so weit sind und das Niveau erreicht haben, sind sie herzlich willkommen. Ich würde jedenfalls vor einer Einwanderung dringend warnen. Ein Zuzug würde ja auch den Wettbewerb auf dem steirischen Arbeitsmarkt verstärken", glaubt Schöggl und wartet mit einem "selbstlosen" Argument auf. Gerade im Sinne der EU-Erweiterung "sollte Österreich nicht Spezialisten aus dem Ausland abwerben. Die werden dort ja auch gebraucht."

Schöggl will ausschließlich auf Ausbildung von Inländern setzen. Speziell Lehrer ohne Job sollten für Weiterbildungsprogramme eingesetzt werden, schlägt der FP-Chef vor, der auch die Forderung der Parteispitze nach einer Volksabstimmung über die EU-Erweiterung mitträgt. Schöggl: "Der EU gehört die Rute ins Fenster gestellt." (DER STANDARD, Print, 10.8.2001)

Walter Müller
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