Post verhandelt den Kauf von Feibra neu

10. August 2001, 14:56
posten

380 Millionen Schilling für 74,9 Prozent

Wien - Zäh wie ein Strudelteig verläuft der - kartellrechtlich bereits vor Monaten genehmigte - Kauf des Werbemittelverteilers Feibra. Der Aufsichtsrat hat Post-General Anton Wais mit dem Auftrag zurück an den Start geschickt, den Preis für den Marktführer unter den Werbemittelverteilern herunterzuverhandeln. Aufsichtsratspräsident Johannes Ditz waren 400 Millionen Schilling für 75 Prozent minus eine Aktie zu viel. Bei keiner Übernahme sei der Umsatz auch der Kaufpreis. Wais bietet nun 380 Mio. S.

Die Stiftung der Feibra-Gründer Anton Feistl und Helmut Brauner will eine Sperrminorität behalten. Das Geschäft mit den Gratiszeitungen (z. B. Ihr Einkauf) sowie die Aktivitäten in Ungarn und Tschechien sind nicht inkludiert.

Garantie

Die Post verlangt eine Garantie, dass Feibragründer und -Geschäftsführer Anton Feistl sein Unternehmen in drei Jahren zum vollen Kaufpreis zurückkauft, falls die - sehr optimistischen - Umsatz- und Gewinnprognosen nicht halten. Was Feistl ablehnt: "Es kann doch nicht sein, dass die Post die Mehrheit übernimmt und dann von mir Garantien für das Ergebnis haben will." Unbestätigten Informationen zufolge soll Feibra heuer rund 450 Mio. S umsetzen und einen Gewinn von 40 Mio. S ausweisen. Bis 2004 soll sich der Überschuss bei einem Umsatz von einer halben Milliarde auf 50 Mio. S erhöhen.

Inklusive Feibra würde die Post mit Massensendungen jährlich knapp zwei Mrd. S Umsatz erwirtschaften. Allerdings, und das spreche gegen den hohen Kaufpreis, sei der Investitionsbedarf im EDV-Bereich sehr hoch, merkt ein Insider an. Denn die Feibra arbeite mit veralteten Systemen, die ihre Kapazitätsgrenzen bei weitem überschritten hätten. Zudem sei der Logistikbereich in der Bilanz 2000 überbewertet. Was Feistl wiederum zurückweist: "Unser EDV- und Geomarketing-System ist in Topzustand und überdies auf null abgeschrieben. Da kann nichts sein." Viel Zeit bleibt der Post jedenfalls nicht mehr, denn Feistl, der laut Post für drei bis fünf Jahre Geschäftsführer mit Dirimierungsrecht bleiben soll, will nach einem Jahr die Verhandlungen abschließen. Über die Bühne gehen könnte der Deal bei der nächsten Aufsichtsratssitzung Mitte September. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe 10.8.2001)

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