Schätze aus dem Iran in Bonn

9. August 2001, 15:50
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Bonn - Schätze der Kunst und Archäologie aus 7000 Jahren Geschichte des Iran sind ab Freitag in der Bonner Bundeskunsthalle zu bestaunen. Die bis zum 6. Januar 2002 laufende Ausstellung, die erstmals zu Jahresbeginn im Kunsthistorischen Museum Wien zu sehen war, präsentiert mit rund 180 Objekten einen winzigen Querschnitt durch die Schätze des Nationalmuseums von Teheran mit seinen rund 300.000 Stücken. Überraschend "moderne" Keramiken und Miniatur-Skulpturen aus der Vorgeschichte, kostbares Kunsthandwerk des achämenidischen Weltreiches und frühislamische Koranschriften zeigen, dass die mittelöstliche Region stets Einflüsse umgebender Kulturen zwischen Griechenland, Mesopotamien oder Südrussland originell umgeformt hat.

Eine für 2003 geplante weitere Dokumentarschau, so versicherten die Organisatoren am Donnerstag, soll in der Bundeskunsthalle die jüngere Vergangenheit der Begegnung zwischen Abendland und iranischem Morgenland dokumentieren. Schließlich gehöre der "Dialog mit anderen Kulturen" zu den Traditionen Persiens, sagte der Direktor des Teheraner Nationalmuseums, Mohammed-Reza Kargar, am Donnerstag in Bonn.

Fruchtbarkeitssymbol

Kaum die Größe eines Fingernagels erreicht die tropfenförmige Tonstatuette einer Frau, die ein winziges Baby auf den Armen trägt: Das Fruchtbarkeitssymbol aus dem Zentral-Iran ist nicht nur das kleinste, sondern mit 8000 Jahren auch das älteste Stück der Schau. Freunde der Moderne dürften die jungsteinzeitlichen Keramiken aus den Kindertagen menschlicher Sesshaftigkeit begeistern, deren stark stilisierte Bemalungen langhornige Antilopen und Vögel zeigen. Geradezu überzeitliche Frömmigkeit beweist die 4000 Jahre alte Tonstatue eines auf die Grundformen abstrahierten Mannes, dessen Hände nach der Manier Mesopotamiens zum Gebet verschränkt sind.

Keilschrift-Täfelchen und verzierte Rollsiegel stehen am Beginn der iranischen Hochkultur, die mit dem antiken Großreich der Achämeniden ihre Blüte erreicht: Reliefbruchstücke der von Alexander dem Großen im Jahre 330 v. Chr. verwüsteten Palaststadt Persepolis, ein Keilschrifthymnus auf König Xerxes und ein prächtiger Goldbecher, der von einem geflügelten Löwen gehalten wird, stammen aus dieser Epoche.

Den griechischen Einfluss, den eine Marmor-Aphrodite belegt, machen spätere persisch-sassanidische Herrscher rückgängig, die - etwa im gezeigten Prunksilber - zu den altiranischen Kunstformen zurückkehrten. Der Rundgang endet abrupt mit einer 1000 Jahre alten Koranhandschrift. (APA/dpa)

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