Islamischer Jihad

9. August 2001, 14:24
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Jerusalem - Der "Islamische Heilige Krieg" (Jihad Islami), der die Verantwortung für den Anschlag in Jerusalem übernommen hat, ist eine der für Israel gefährlichsten Untergrundorganisationen. Sie entstand vor über zwei Jahrzehnten. Der Extremistenführer Fathi Shkaki, der in Kairo Medizin studierte und seit 1979 in einem Jerusalemer Krankenhaus arbeitete, gilt als ihr Gründer. Er wurde im Oktober 1995 auf der Insel Malta erschossen - vermutlich von israelischen Mossad-Agenten. Zuvor hatte er viele Monate in israelischen Gefängnissen verbracht und dennoch die Fäden der Organisation in der Hand behalten.

Anhänger aus mehrere Länder rekrutiert

Im August 1988 wurde der glühende Anhänger der iranischen Revolution von den Israelis in den Libanon deportiert, später ging er nach Damaskus. Von dort aus rekrutierte er Anhänger in mehreren Ländern und dirigierte mit einem ausgeklügelten Netz von Kurieren die Zellen seiner Organisation in den von Israel besetzten Gebieten. Eine Reihe blutiger Anschläge und Selbstmordattentate vor allem nach dem israelisch-palästinensischen Grundlagenvertrag 1993 wurde der Organisation angelastet. Shkaki sagte einst in einem Interview, "wirklicher Frieden kommt erst, wenn Israel von der Landkarte verschwindet."

"Jihad Islami" offiziell verboten

"Jihad Islami" ist in den Palästinensergebieten eine Untergrundgruppe und offiziell verboten. Doch will Präsident Yasser Arafat eine Einheitsregierung unter Einschluss der radikalen Gruppen, auch des Jihad, bilden. Diesbezügliche Gespräche wurden in den vergangenen Tagen angekündigt.

Religion notfalls mit Gewalt verbreiten

"Jihad" bedeutet die religiöse Pflicht der Moslems, ihre Religion notfalls auch mit Gewalt zu verbreiten. Ein Jihad impliziert nach Auffassung islamischer Rechtsgelehrter aber nicht notwendiger Weise einen Aufruf zum Krieg. Vielmehr sollen die Gläubigen den Jihad "sowohl mit dem Herzen" (gegen sich selbst), der "Zunge und Hand" (zur Überzeugung und als Beispiel für andere) sowie mit dem "Schwert" führen. Doch sind in der mehr als 1300 Jahre langen Geschichte des Islam Kriege immer wieder mit dem Jihad-Begriff religiös motiviert worden. (APA)

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