US-Energiekonzern TXU hat Graze Stadtwerke im Visier

9. August 2001, 13:41
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Verkaufsgegner machen mobil

Graz - Der amerikanische Energiekonzern TXU Eastern Power, der auch Niederlassungen in Europa hat, interessiert sich für Anteile an den Energiebereichen der Grazer Stadtwerke. Nach einem Bericht der "Kleinen Zeitung" vom Donnerstag hielt sich der Vizepräsident von TXU Europe, Allan Wyatt, zu Gespräche mit den mit der Käufersuche beauftragten Beratergruppe in Graz auf. Wie Stadtwerke-Direktor Wolfgang Malik erklärte, sei mit dem Unternehmen selbst nicht verhandelt worden. TXU ist in Europa bisher eher als Stromhändler und weniger als Stromproduzent aufgetreten.

51-Prozent-Anteil

"Die Energiesektoren der Grazer Stadtwerke passen ausgezeichnet in unsere Strategie", so Wyatt in der "Kleinen Zeitung". TXU wolle den Einstieg bei Kommunalversorgern, lege aber Wert darauf, dass die Stadt dabei Partner bleibe. Eine hundertprozentige Übernahme komme nicht in Frage, man peile einen 51-Prozent-Anteil wie bei dem Deal mit den Stadtwerke Kiel im Jänner dieses Jahres an, der für rund 3,1 Mrd. S (225 Mill. Euro) den Besitzer wechselte. Erste Gespräche hat es mit der Beratergruppe am Mittwoch in Graz gegeben, die Stadtwerke waren dabei laut Direktor Malik "nicht eingebunden".

Neuntgrößter Energiekonzern

TXU, mit umgerechnet 345 Mrd. S (25,1 Mrd. Euro) Umsatz und elf Mill. Kunden weltweit neuntgrößter Energiekonzern, hat bisher in Mitteleuropa mit wenig Erfolg versucht, sich auch bei Energieproduzenten einzukaufen: Aus dem Rennen um die Anteile an der Energie Baden-Württemberg (EnBW) stieg man 1999 gegen die Konkurrenz von RWE aus Essen und Electricité de France (EdF) aus. In Spanien hingegen hält die TXU einen 19-Prozent-Anteil am viertgrößten Energieversorger Cantabrico und hat gute Aussichten, diesen gemeinsam mit der Caja Asturias und der Electricidade de Portugal auf 100 Prozent aufzustocken. In Großbritannien ist die TXU mit ihrer Tochter "24seven" der "Platzhirsch" im Raum Groß-London sowie East Anglia. In Finnland hat die TXU 40-Prozent-Anteile an den lokalen Energieversorgern Pohjolan Voima Oy (PVO) und Savon Voima Oy (SVO) mit jeweils rund 90.000 Stromkunden.

"Strom-Vermittler"

In Mitteleuropa - TXU agiert an den Strombörsen Leipzig Power Exchange und Amsterdam Power Exchange - betätigt sich der texanische Konzern eher als "Strom-Vermittler" für Energielieferungen zwischen Tschechien und Österreich, Österreich und Deutschland und Österreich und der Schweiz.

Gegner mobilisieren

Mit der Konkretisierung des Anteileverkaufs mobilisieren auch die Gegner: Mit über 10.000 Unterschriften erreichten sie eine verpflichtende Beschäftigung des Grazer Gemeinderates. Gegen den Verkauf haben sich die Fraktionen von SPÖ, KPÖ und Grünen positioniert. (APA)

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