"Alles kommt auf den Prüfstand"

10. August 2001, 13:01
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Neues ÖBB-Team verspricht saubere Waggons und schnellere Züge

Wien - Den Personenverkehr auf der Schiene forcieren, ohne den Güterverkehr zu vernachlässigen: Das ist das Ziel des neuen Dreiervorstands der ÖBB, der Anfang August seine Arbeit aufgenommen hat.

"Alles kommt auf den Prüfstand und wird analysiert", sagte der Nachfolge von Helmut Draxler als Generaldirektor der ÖBB, Rüdiger vorm Walde, am Donnerstag. Die Waggons sollen sauberer, die Züge schneller werden. Damit will man zusätzliche Fahrgäste für die Bahn gewinnen. Einen Maßnahmenkatalog will das neue ÖBB-Team in der zweiten Septemberhälfte präsentieren.

Vorm Walde, zuletzt Chef der Verkehrsbetriebe in Berlin, ist Vorstandssprecher der ÖBB und darüber hinaus für Finanzen, Personal, Lokomotiven und die Werkstätten zuständig.

Ihm zur Seite steht Ferdinand Schmidt, der zuvor im Vorstand der Lauda Air war und bei den ÖBB nun für die Bereiche Güterverkehr und Personenverkehr verantwortlich zeichnet. Helmut Hainitz, der sich selbst ob seiner langjährigen Tätigkeit bei den ÖBB als "Fossil" bezeichnet, will "maximal noch eineinhalb Jahre" im Vorstand bleiben und einen nahtlosen Übergang zwischen der alten und neuen Führung garantieren. Hainitz ist für den gesamten Infrastrukturbereich und das Bahnnetz zuständig.

Gute Arbeit

Vorm Walde konzedierte der "alten Führung" gute Arbei. Die noch von Draxler vorgelegten Halbjahreszahlen mit einem Betriebserfolg (Ebit) des Absatzbereichs von 1,36 Mrd. S (98,8 Mio. EURO; plus 80 Prozent) seien "exzellent". Der neue Bahnchef will sich auf den Weg durch die anderen Bundesländer machen, um die ÖBB besser kennen zu lernen. "Ich habe mir in Wien bisher zwei Bahnhöfe angeschaut, den Westbahnhof und den Ernst-August-Bahnhof", sagte vorm Walde, um sich nach Einflüsterung seines Vorstandskollegen Hainitz zu verbessern: "äh . . . Franz-Josef-Bahnhof."

Als "Glaubensstreit" bezeichnete vorm Walde die Debatte über eine Trennung der ÖBB in eine Infrastrukturgesellschaft und ein Verkehrsunternehmen, wie sie auch im Koalitionsübereinkommen festgeschrieben ist.

Tatsache sei, dass jetzt schon andere Bahnunternehmen diskriminierungsfrei auf dem österreichischen Schienennetz unterwegs sein könnten. Anfang kommenden Jahres jedenfalls soll es eine Entscheidung geben. "Die Diskussion muss ein Ende haben", sagte vorm Walde. "Das schadet den ÖBB." (stro, DER STANDARD, Printausgabe 10.8.2001)

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Heiße Luft vorm Walde
Von Günther Strobl

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