Früher war alles besser, sowieso

13. August 2001, 22:43
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Behauptet anhand von Bowie, Roxy Music, The Ukrainians und Dion

DAVID BOWIE
Christiane F.

(EMI)
20 Jahre nach seinem Ersterscheinen liegt nun erstmals Bowies Soundtrack zum Berliner Junkie-Drama Christiane F. auf CD vor. Titel wie Boys Keep Swinging oder Look Back In Anger brauchen wohl nicht näher vorgestellt werden. Interessant aber: Die lange gesuchte und zu horrenden Preisen gehandelte, zweisprachige Version von Heroes/ Helden. Dass Bowie damals den Song in seiner Grundkonzeption schamlos vom deutschen Elektronik-Duo NEU! stahl, steht auf einem anderen Blatt.

ROXY MUSIC
Concerto

(Ixthuluh)
1979 absolvierten Roxy Music im Rahmen der Veröffentlichung von Manifesto ihre letzte musikalisch überzeugende Welttournee. Danach kam mit Avalon nur noch der Sündenfall ins gelackte Yuppietum. Auf diesem Live-Mitschnitt aus Denver, Colorado, nicht ganz überraschend zu hören: Gut aufgelegte, naturgemäß ein wenig verschlampte Versionen von Klassikern wie A Song For Europe, Love Is The Drug oder Do The Strand. Herausragend allerdings der beste Song, den Roxy Music jemals einspielten: In Every Dream Home A Heartache. Hier erleben wir Bryan Ferry live in der Hochblüte seiner Dekadenz. Immer darum wissend, dass bei zu intensivem Gesangseinsatz die Föhnwelle verrutschen könnte, suhlt sich der Gute zwar genüsslich in der Anbetung seiner geliebten aufblasbaren Gummipuppe: "I blew her up - and then she blew my mind!" Dazwischen allerdings, während ein hatschertes Gitarrensolo ertönt, wird auch ein Schluck aus der Schampusflasche genommen. Selbst die Götter müssen schließlich im Scheinwerferlicht schwitzen.

THE UKRAINIANS
Live - Drink To My Horse!
(Rave Up: 1/596 96 50)
Mitte der 90er-Jahre löste sich die beste Live-Band der Welt auf, die in Manchester beheimateten Ukrainians, die als Absplitterung der wüsten Gitarrenpop-Schrammler The Wedding Present ihre kulturellen Wurzeln wiederentdeckt hatten und als Söhne ukrainischer Einwanderer alte Volkslieder auf Turbofolk-Basis in den Punk trieben. Die zwischen 1989 und 1994 entstandenen Aufnahmen dokumentieren nun ihre legendären und dank Bier und Wodka zügellosen Auftritte. Mit Those Were The Days My Friend (Davni Chasy) beispielsweise lässt sich heute noch jede müde Party in Schwung bringen. Wenn die Reiter nicht mehr können, Pferde finden immer ihren Stall.

DION
Born To Be With You

(Ton um Ton: 1/524 67 15)
An Dion erinnert sich die Omama vor allem noch wegen seines Uralt-Rock'n'Roll-Hits The Wanderer. Hier erleben wir den Mann mit genialisch verunglückten Altmänner-Balladen aus dem Jahr 1975. Am Mischpult der Meister des "Wall of Sound", Phil Spector. Auch der hatte damals schon bessere Zeiten gesehen. Zum Weinen schön. Und sehr, sehr krank!
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10. 8. 2001)
Von
Christian Schachinger

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