"Bumerang Saisoniers"

9. August 2001, 18:13
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Gewerkschaft: Bartenstein für mehr Arbeitslose verantwortlich

Wien - Der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe und persönlicher Dienst, Rudolf Kaske, macht Wirtschaftsminister Martin Bartenstein für den Sprung der Zahl der Arbeitslosen im Tourismus verantwortlich. Er habe die Warnungen der Gewerkschaft in den Wind geschlagen und das Saisonierkontingent von 1200 auf 6000 im heurigen Sommer erhöht. "Das erweist sich jetzt als Bumerang. Denn Ende Juli gab es in der Branche um 10,2 Prozent mehr Arbeitslose als vor einem Jahr."

Die Regierung heize die Arbeitslosigkeit an, weil sie immer mehr Billigarbeitskräfte aus Ostmitteleuropa zulasse. Zu den 19.813 Arbeitslosen in der Branche müssten noch rund 5000 zugezählt werden, die nur statistisch verschwunden seien, weil sie sich in Umschulungen des Arbeitsmarktservice (AMS) befinden. In Tirol, das besonders lautstark Saisoniers gefordert habe, sei die Arbeitslosigkeit im Tourismus im Juli sogar um 21 Prozent gestiegen. Die Arbeitskräfte aus Osteuropa werden nur zum Mindesttarif eingestellt und kehren nach Ablauf ihres Arbeitsvertrages sofort in ihre Heimat zurück. Sollten ihnen anteilige Sonderzahlungen vorenthalten werden, haben sie keine Möglichkeit, diese zu beanspruchen, sagte Kaske weiter.

Alternativlösungen

Staatssekretärin Mares Rossmann sprach sich in einer Presseaussendung in Reaktion auf Kaske gegen ständig steigende Saisonierkontingente aus und forderte Alternativlösungen. Sie schlug weiters eine Regionalisierung der Kontingente auf Basis eines "Bundesgesamtkontingents" vor, um eine rechtzeitige Planung für die Betriebe zu ermöglichen. Diese regionalen Kontingente müsste für den Winter bereits im September, für den Sommer bereits im März bekannt gegeben werden. Die AMS-Stellen seien in der Lage, rechtzeitig eine Bedarfsplanung vorzunehmen.

Rossmann unterstützt Kaske auch bei seiner Forderung nach einer "Abfertigung neu" ab dem ersten Tag der Beschäftigung. Im Unterschied zu Kaske fordert sie allerdings einen Ausgleich für die Unternehmen. Kaske unterstrich die Forderung mit dem Hinweis, dass im vergangenen Jahr laut AMS 96 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse neu gegründet wurden. Gebe es keine Abfertigung ab dem ersten Tag, wäre sie für die Arbeitnehmer im Tourismus nutzlos. Die Einzahlungen wären in einer Branchenkasse zu verwalten. (ha, DER STANDARD, Printausgabe 10.8.2001)

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