"Mein lieber Freund Erwin Teufel"

9. August 2001, 11:57
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Österreichisch-Deutsche Kulturgesellschaft: Ein Kind später Völkerverständigung

Wien - Der Anfang für die Österreichisch-Deutsche Kulturgesellschaft war schwer: "Das österreichische Volk stand noch zu stark unter der Schockwirkung des nationalsozialistischen Gewaltregimes, das aus seinem Haß gegenüber Österreich nicht davor zurückschreckte, das Land Österreich von der Landkarte zu streichen", heißt es in der Zehn-Jahres-Festschrift der Gesellschaft aus dem Jahr 1978. Deswegen dauerte es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs immerhin 23 Jahre bis zur Gründung des Vereins.

Warum diese dann Ende der 60er-Jahre endlich möglich wurde, verrät die Festschrift, die in Kopie auch 2001 noch an Interessierte verschickt wird: Viel sei dem damaligen deutschen Botschafter in Wien zu verdanken. Er war offenbar kein typischer Piefke, denn "sein kluges und bescheidenes Auftreten trug viel zur Auflockerung der gesellschaftlichen Beziehungen" bei. Erfreulich, denn "in dieser aufgelockerten Atmosphäre wuchs wieder das Bewusstsein einer großen Kulturgemeinschaft und einer fast tausendjährigen politischen Gemeinschaft mit dem deutschen Volk". Schade nur, dass die EU-14 Sanktionen im vergangenen Jahr als kalte Dusche auch aus Berlin kamen.

Wo doch die Festschrift noch eine weitere erfreuliche Erklärung für die Entstehung der Kulturgesellschaft 1968 parat hat: "Es wuchs auch das Wissen um die Vorteile einer gemeinsamen Sprache mit dem großen deutschen Volk." - Jubiläums-Autor Eduard Heilingsetzer war also kein Anhänger von Karl Kraus.

Dass er selbst ebenfalls einen Beitrag für die Zehn-Jahres-Festschrift verfasst habe, betont Herbert Schambeck, seit 25 Jahren Präsident der Kulturgesellschaft, im Gespräch mit dem (deutschen) Reporter auch heute noch stolz. Noch stolzer ist der Präsident des (österreichischen) Bundesrats i. R. aber auf die vielen illustren Gäste, die seine Gesellschaft schon in Wien empfangen hat: "Alle deutschen Bundespräsidenten waren bei uns", sagt Schambeck.

Weitere Berühmtheiten sind auf dem Weg: "Am 3. Oktober hält mein lieber Freund Erwin Teufel einen Vortrag." Der baden-württembergische Ministerpräsident kommt, weil die Kulturgesellschaft wie jedes Jahr den Tag der deutschen Einheit feiert.

Während Schambeck gerne noch die Namen von einem Dutzend weiterer Ministerpräsidenten, Wirtschaftskapitäne und Kulturgranden aufzählen würde, weiß er leider keine Antwort auf die Frage, wie viele Mitglieder seine Gesellschaft denn nun habe.

Also gilt es, deren Generalsekretär Heribert Köck zu befragen, der mit "etwa 250" antwortet. Eher zweifelhaft, dass sich darunter auch ehemalige Mitglieder des Konkurrenzvereins finden, der früher die Beziehungen Österreichs mit der DDR, selig, pflegte.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. 8. 2001)

Von
Jörg Wojahn

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