Boliviens neuer Präsident stellt Kabinett der Technokraten vor

9. August 2001, 11:01
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Neuwahlen im August kommenden Jahres

La Paz - Der neue bolivianische Präsident Jorge Quiroga hat einen Tag nach seiner Vereidigung ein Kabinett überwiegend aus Technokraten vorgestellt. Der neuen Regierungsmannschaft gehörten nach Angaben nur noch wenige Politiker der Vorgängerregierung des Präsidenten Hugo Banzer an. Er war am Montag wegen einer Krebserkrankung ein Jahr vor dem regulären Ende seiner Amtszeit zurückgetreten. Quiroga betonte in La Paz, er habe Kandidaten ausgewählt, die keine politischen Ambitionen für die Wahl im August kommenden Jahres hätten und damit bis zum Ende der Legislaturperiode voll zur Verfügung stünden.

Neuer Außenminister wurde der Berufsdiplomat Gustavo Fernandez, teilte das Präsidentenamt weiter mit. Als Minister im Präsidentenamt wurde der parteiunabhängige Politiker Jose Luis Lupo vereidigt, und das Amt des Kabinettschefs im Ministerrang übernahm Leopoldo Fernandez von Quirogas Partei der Nationalistischen Demokratischen Aktion (ADN). Neuer Finanzminister wurde der Wirtschaftsexperte Jacques Trigo.

Quiroga will indigene Sprachen lernen

Der mit 41 Jahren für das höchste Staatsamt ungewöhnlich junge Quiroga übernahm die Staatsgeschäfte inmitten einer schweren Wirtschafts- und Sozialkrise. Viele der verarmten Bolivianer setzen große Hoffnungen auf den neuen Staatschef. Quiroga ist ein Ingenieur und Wirtschaftsexperte mit langer internationaler Erfahrung und gilt als nicht korrupt. Er leitete das Land faktisch bereits seit dem 1. Juli, als sich Banzer zur Behandlung in die USA begeben.

Quiroga will den Sprachen der indigenen Ureinwohner mehr Gewicht verleihen und sogar selbst Quechua und Aymara lernen. Kurz vor der Ernennung seines Kabinetts versprach Quiroga vor dem Parlament in der Hauptstadt Sucre, er wolle nach Ablauf seines Mandats im August kommenden Jahres Vokabeln pauken. Die zweisprachige Schulausbildung nannte Quiroga unausgewogen: Quechua und Aymara sprechende Einwohner würden zwar Spanisch lernen, aber Spanisch sprechende Bolivianer nicht die Sprachen der Ureinwohner. In Bolivien spricht mehr als ein Viertel der Bevölkerung ausschließlich Quechua oder Aymara. Bolivien ist das südamerikanische Land mit den meisten Ureinwohnern. (APA/dpa)

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