Seidenraupe in New York

14. August 2001, 11:40
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Wie kommt man als österreichische Modedesignerin eigentlich dazu, seine Kollektion bei den Prêt-à-porter-Schauen in New York zu zeigen? Das ist eine Frage, auf die Karin Oèbster eine Antwort weiß.

Die 35-jährige Designerin, die 1997 ihr eigenes Label "Kayiko" gründete, wird am 9. September bei der "Mercedes-Benz Fashion Week" in einem der Zelte am Bryant Park in Manhattan ihre Mode präsentieren. Die ganze Aktion ist für sie eine Hopp-oder-tropp-Angelegenheit: Dort wird sich entscheiden, wie es mit ihrer Marke weitergeht.

Der Weg nach New York war für Karin Oèbster auf jeden Fall ein reichlich verschlungener - und kostspieliger. Begonnen hatte die Sache im Vorjahr, als Kayiko während der Mailänder Prêt-à-porter-Schauen einen Showroom mietete und Einladungen versandte. Das Interesse der Modejournalisten sei enttäuschend gering gewesen, erzählt sie; kein Wunder, bei der Unmenge an Einladungen, die die Fachpresse bei solchen Events erhält. Aber es kamen zwei Vertreter aus den USA, junge Einkäufer-Aspiranten der New Yorker Department Stores Macy's und Saks Fifth Avenue, die von ihren Häusern auf die Suche nach "unentdeckten Talenten" ausgeschickt wurden. Die beiden zeigten sich begeistert - und das war's vorerst.

Die viertägige Präsentation in Mailand hat Karin Oèbster übrigens die satte Summe von rund einer Million Schilling (EURO 72.672,8) gekostet - angefangen vom Stoffeinkauf für die Kollektion und die Produktionskosten über die Modelhonorare bis zu den Speditions- und Hotelkosten. Eine Investition, die sich aber dann doch lohnte: Die US-amerikanische Agentur "Classic Antiques & Gallery Inc." nahm Kontakt mit der österreichischen Designerin auf, organisierte im vergangenen Winter Präsentationen bei Macy's und Saks und eine Printkampagne in der Fachpresse. Und auch die Einladung zu den New Yorker Modeschauen dürfte, so vermutet Oèbster, zum großen Teil auf das Engagement der Agentur zurückzuführen sein.

"Man braucht dort jemanden, der nachwassert", beschreibt die Designerin die Lage. Wenn man keinen entsprechenden Support vor Ort habe, sei so etwas sehr schwierig zu organisieren. Leicht wird's mit Unterstützung ohnehin auch nicht. Viele Fragen rund um den New Yorker Auftritt sind für Oèbster noch ungeklärt, z. B. ob die Organisatoren für die Lichttechnik sorgen oder ob sie das selbst tun muss. Klar ist hingegen die Kostenfrage: Für 20 Minuten Laufsteg-Show blättert sie 330.000 Schilling (EURO 23.982) hin - inkludiert sind dabei nur die Nutzung des Catwalks, die Sitzreihen für das Publikum und ein Backstage-Raum fürs Umziehen. Dazu kommen die Kosten für Models und Styling, Hotel- und Transportkosten, Einladungen usw. Leisten kann sich die Kayiko-Designerin das alles nur dank "vieler lässiger Verwandter und Freunde", die ihr finanziell unter die Arme greifen. Und dank einer ausgesprochenen Hartnäckigkeit in der Verfolgung ihrer Ziele.

Kleidung und Mode hätten sie schon als Kind fasziniert, sagt die gebürtige Salzburgerin Oèbster. Als Au-pair-Mädchen in Paris wurde sie von der Gastfamilie zu Modeschauen mitgenommen. Als sie an der Aufnahmeprüfung für die Modeklasse der Angewandten (damals von Jean-Charles de Castelbajac geleitet) scheiterte, absolvierte sie ein Modekolleg in Wien und machte in Graz die Meisterprüfung. Nach zwei Jahren Schnittzeichnen für das Wiener Pelzhaus Liska fertigte sie freiberuflich acht Kollektionen für die Schweizer Designerin Christa de Carouge. Schließlich gründete sie 1997 ein eigenes Label in Wien und betreibt heute einen Showroom in der Windmühlgasse in Wien 6. Die Bezeichnung "Kayiko" sei eigentlich nur als Wortspiel mit ihrem Namen gedacht gewesen, heiße im Japanischen aber auch "Himmelsinsekt" (worunter man vermutlich Seidenraupen zu verstehen hat) und sei auch ein relativ seltener Mädchenname.

Der gut zu der Bekleidung passt, die Karin Oèbster entwirft, die mit ihrer extrem reduzierten Schnittführung an asiatische Vorbilder wie eben japanische Kimonos erinnert. Die hat Oèbster auch genau untersucht, es geht ihr aber nicht darum, exakte Kopien zu erstellen. Sondern um die Faszination, die in der raffinierten Einfachheit dieser Schnitte liegt. Oberteile haben keine Schulternähte, Hosen und Röcke sind meist ganz gerade und mit Gummizug am Bund. Fad werde ihr trotz dieser extremen Einfachheit nicht, betont die Designerin, denn sie konzentriere sich vorrangig auf die Materialien. Bei der Sommerkollektion 2002 sind das vor allem Leinen, Seidenorganza, Crêpe de Chine und Baumwolljersey für die Basics. Zu dem Standardprogramm in Schwarz und Weiß kommen "extremere Teile" aus schönen, reversiblen Krawattenstoffen, die sie bei einem Seidenproduzenten in Italien gefunden hat. ( Margit Wiener )

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