Schiller lockt

10. August 2001, 16:09
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Ein Mödlinger Gasthaus, das sich heute vollkommen anders präsentiert als vor drei Jahren, hat seit kurzem einen neuen Küchenchef, der seinerseits ganz anders kocht als an seiner vorigen Wirkungsstätte

Das Restaurant Eckel in Wien-Sievering gilt als eine der unerschütterlichsten Bastionen, was die so genannte gutbürgerliche Küche anbelangt: Der Klassiker wird hier gepflegt wie sonst nur bei den Husaren und im Sacher, und um die Plätze im Garten balgen sich die Hofräte, dass es nur so eine Freude ist.

Jetzt würde man meinen, dass der Küchenchef des Restaurant Eckel, an einen anderen Ort versetzt, ebenfalls der gutbürgerlichen Küche frönt. Doch was Wolfgang Bulant an seiner neuen Wirkungsstätte, dem Mödlinger Restaurant "Friedrich Schiller", auf die Teller legt, hat mit kaiserlicher Rindfleischküche und Hessschem Rezepte-Schatz wenig zu tun: Es rauscht eher das Mittelmeer, und fernöstliche Klänge vernimmt man ebenfalls. Und das ist kein Wunder, denn der kochende Riese arbeitete schließlich schon mit großer Freude im Hyatt Regency in Hongkong.

Von Sievering nach Mödling kam er, weil Florian Fritz für sein Gasthaus "Friedrich Schiller", das immer so ein bisschen brav dahinkochte, eine neue Linie suchte und weil Bulant mit Tafelspitz & Co ohnehin nicht alt werden wollte. Die Gefahr besteht zurzeit jedenfalls nicht, denn weder Ambition noch Kreativität sind in dem vor zweieinhalb Jahren von den ausgebildeten Hotel- und Gastronomiefachleuten Florian und Nina Fritz umgebauten Landgasthaus nun Mangelware: Als Amuse-gueule kommt ein cremiger Basilikumaufstrich und eine Gänseleberpaté mit warmen Blinis, als Gruß aus der Küche ein Rindfleischsülzchen vom Styria-Beef auf Kürbiscarpaccio mit Kernöl. Das nicht nur wunderbar schmeckt, sondern auch sehr hübsch aussehen würde, was im lauschigen Garten - unter Birken, bei Kerzenschein und mit der unterhaltsamen Geräuschkulisse aus den nachbarlichen Wohnzimmern - ohne Nachtsichtgerät allerdings kaum festzustellen war. Wobei immer noch besser als drinnen, die Gestaltung der Gasträume dürfte nicht jedermann gleich begeistern.

Dann etwa ein Stubenküken, in Gewürztempura gebacken, atemberaubend knusprig und fein, dazu knackige Sojakeimlinge fern der üblichen Geschmacksfadesse und ein Salat von in Rotwein marinierten Ingwerscheiben (öS 125 / EURO 9,08). Bei der rosa gebratenen Brust von der Freilandgans mit Steinpilzen und Balsamicokirschen hatte das Geflügel gegen das Kompott leider keine Chance (öS 155 / EURO 11,26), beim exzellenten Petersfisch mit Rotweinsauce und allerlei geschmortem Wurzelwerk und Gemüse funktionierte das Aromenfeuerwerk viel besser (öS 125 / EURO 9,08). Farbenfroh, sehr mediterran und würzig auch die Kaninchenkeule mit toskanischem Gemüse und Kräuterpolenta (öS 175 / EURO 12,72), ebenfalls sehr gut, aber ein klein wenig von der Komponentenvielfalt erschlagen, das Tauberl mit Petersilrisotto, Sauce und Steinpilzen (öS 255 / EURO 18,53).

Großes Lob muss man Florian Fritz für die Weinauswahl zollen, bei der er vor allem aus regionalen Produkten schöpft. Und hat man erst einmal einen 87er Zierfandler vom Stadlmann oder einen 97er Rotgipfler vom Thiel zum würzigen Essen Bulants probiert, will man eigentlich nichts anderes mehr.
(Florian Holzer)

Friedrich Schiller, Friedrich-Schiller-Str. 90,
2340 Mödling, Tel: 02236/269 99, Mo-Fr 11.30-14,
Mo-Sa 18-22 Uhr, Urlaub bis 19.8.
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