Klaus Kinski. "Ich bin so wie ich bin".

9. August 2001, 12:50
posten

Peter Reichelt und Ina Brockmann (Hg.)

Verrückt, männliche Skandalnudel und schön wie ein wild gewordener Gott. Fritz Kortner sagte von ihm: „Wie konnte man es wagen, ihn mir so lange vorzuenthalten!“. Klaus Kinski ist der Fauve unter den Fauven der europäischen Filmgeschichte. Die Kraft einer Horde durchgegangener Pferde, die Exzentrik einer Diva, all das trug zum Mythos Kinski bei, der in Sachen Genie und Wahn wohl so manchem James Dean den Rang abgelaufen hat. Der jüngst erschienene Bildband portraitiert den Künstler in allen seinen Lebensphasen, da sind die Exzesse des megalomanen Selbstdarstellers genau so zwischen den zwei Buchdeckeln eingefangen wie zärtliche, intime Momente mit seinen ihm so wichtigen Kindern oder seinen Tieren. Auf der Bühne sorgte Kinski für Kontroversen, er stellte in seiner Zeit – und er verkörperte nahezu alle großen Männerrollen z.B. am Wiener Burgtheater – das Schlusslicht dar, den Übergang von einer elegant-unterkühlten Spielweise, die von Nuancen lebte, zur ungezähmten Authentizität einer Darstellung, die keine Halbherzigkeiten zuließ.

Sein ganzes Leben eine Mischung aus Flucht und Konfrontation: Kinski packte es an, das Leben; seine Beziehungen nicht minder leidenschaftlich wie seine Entscheidungen, was den Berufsweg anlangte. Oft hörte man es, las es auf den Seiten der Yellow Press: Kinski, ein Wahnsinniger. Definitiv, ja, aber das ist der Stoff, aus dem sich Mythen zusammentragen. Zweifel, Einsamkeit, tiefe Trauer und Wut galten für diesen Menschen als Motor, als Treibkraft, und trotzdem Kinski als Leben selbst. Wie er selber sagte. „Ich habe keine Hobbys. Ich atme! Ich lebe!“

Seine Ausschweifungen waren also in erster Linie Spiegelungen eines Innenlebens, dessen Feuer nur an sich selbst verglühen konnte. Wer sich Offenbarungen über sein für die Bourgeoisie skandalöses Leben erhofft, sich pikante Details über das Enfant Terrible des deutschsprachigen Films erhofft, wird überrascht sein. Denn hier begab man sich auf die Spur eines genialen Schauspielers – es gelang, ihn facettenreicher zu porträtieren als bisher. Möglich, dass man Kinski- und somit Edgar-Wallace-Filmesüchtig wird! (Maria Angela Pieta)

Peter Reichelt und Ina Brockmann (Hg.)
Klaus Kinski.
"Ich bin so wie ich bin".
Verlag Christian Brandstätter
288 S./ ATS 564,-/ EUR 39,88
ISBN 3854981279

  • Artikelbild
Share if you care.