Schmerzen kleiner Kinder unterschätzt

9. August 2001, 09:01
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Versorgung nach Operation könnte wesentlich verbessert werden

Frankfurt/Main - Ärzte unterschätzen einer Studie zufolge oft die Schmerzen kleiner Kinder nach einer Operation. Die Frankfurter Narkose-Ärztin Dorothee Bremerich spricht von "unverkennbaren Defiziten" bei der Versorgung der Kleinen mit Schmerzmitteln. In vielen Kliniken bekämen Kinder nach Eingriffen lediglich ein Zäpfchen, das wenig, wenn überhaupt wirke, sagte die Oberärztin am Universitäts-Klinikum.

Jedes Jahr werden Schätzungen zufolge in Deutschland 500.000 Kinder operiert. Bremerich belegt ihre Kritik mit einer Umfrage in 570 Anästhesie-Abteilungen deutscher Kliniken. Dabei kam heraus, dass 93 Prozent aller Narkose-Ärzte zur Schmerztherapie nach Operationen im Kindesalter routinemäßig Paracetamol-Zäpfchen verwenden.

Stärkere Schmerzmittel wie Opioide werden der Umfrage zufolge in deutschen Kliniken bei Kindern selten eingesetzt, wenn auch häufiger als früher. "Die Ärzte sind unsicher, wie sie dosieren sollen, und fürchten die Nebenwirkungen", begründet Bremerich. Viele wirksame Schmerzstiller seien für Kinder gar nicht zugelassen, bei Säuglingen sogar 90 Prozent der Medikamente.

Skalen

Bei Kindern, die noch nicht sprechen können, gebe es eine Reihe von Skalen, mit denen der Schmerz gemessen werden kann. "Sie werden nur zu wenig eingesetzt." Solche Skalen bewerten die Körperhaltung und Art des Schreiens, den Kreislauf und die Muskeln.

Bei der Befragung hielten 72 Prozent der befragten Ärzte die Versorgung von Kindern nach einem Eingriff für verbesserungswürdig. (APA/dpa)

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